31.10.06

Short Songs


Als der erste Miniatures-Sampler von Morgan Fisher 1980 mit Songs mit maximal 1 Minute Länge erschien fanden ein paar Freunde und ich die Idee so großartig, dass wir etwas gleiches in Hannover versuchten. Ich werde das Ergebnis villeicht mal hier posten (ca. 2007). Auch andere fanden die Idee inspirierend. So gibt es das schöne "Commercial Album" der Residents, es gibt "Miniatures 2" und Fat Wreck Records hat sogar eine CD mit 100 30-Sekunden-Songs herausgebracht namens "Short Music For Short People". Interessanter finde ich die selbst zusammengestellten Projekte, wie z.B. "Big Songs For Little Attention Spans", "Big Songs For Little Attention Spans Volume 2" und "100 songs - 78 minutes 19 seconds". Kennt jemand noch andere CDs oder Song-Sammlungen in dieser Richtung?

Summary: I like short songs, especially in large quantities. Check out the links above and tell me if you know any similar records or internet-sources.

29.10.06

Bill Nelson's Red Noise


In dem Moment, als ich diese Tracks gerippt hatte hatte ich bereits vergessen, was meine ursprüngliche Idee war. Wo ist die Verbindung zu meinen übrigen Einträgen? Weg, einfach weg.
Okay, versuchen wir es anders. Warum steht diese Platte in meiner Sammlung? Um 1979 fand ich im Plattenladen meines Vertrauens zunehmend komische Plattencover, die die Vermutung zu interessanter Musik zuließen. Bill Nelson Red Noise gehörte dazu, aber Nelson war ein BOF (boring old fart) und durfte daher nicht gekauft werden. Dann entdeckte ich, dass sein Produzent John Leckie auch XTC produziert hatte und Nelson selbst sogar die Skids. Also nahm ich die Platte später doch auf dem Flohmarkt mit und so einige andere Solosachen von Nelson und von Be Bop Deluxe. Aber Red Noise ist der Dreh- und Angelpunkt. Sicher, Nelson war ein paar Jahre älter als die Punks und er konnte Gitarre spielen, was damals eigentlich ein Verbrechen war, aber Red Noise war hektisch und durchgeknallt wie so manche andere der jungen Bands, insbesondere die frühen XTC mit Barry Andrews. Auch Ultravox mit John Foxx (nicht Midge Ure), deren erste 3 Platten gerade remastert mit Bonustracks erschienen sind (zusammen mit den ersten 4 Siouxsie & The Banshees-CDs, ebenfalls remastert und mit teilweise unveröffentlichten Bonustracks, bei 2001 zum Wegwerfpreis zu bekommen) bieten sich als Referenz an. "Revolt into Style" ist einfach nur groß.
Bill Nelson hatte seine vorherige Band Be Bop Deluxe 1978 aufgelöst, sich von Punk und New Wave inspirieren lassen, aber das neue Projekt verkaufte nicht gut genug und Nelson wurde von der Plattenfirma fallen gelassen. Danach machte er Soloplatten und wurde immer obskurer. Hier sind alle Aufnahmen von Red Noise, zum Teil verstreut von späteren Soloplatten und Singles. Seid hektisch!

Bill Nelson's Red Noise "Sound-On-Sound" plus
"Don't Touch Me, (I'm Electric)" / "For Young Moderns" / "Stop/Go/Stop" / "Furniture Music" / "Radar In My Heart" / "Stay Young" // "Out Of Touch" / "A Better Home In The Phantom Zone" / "Substitute Flesh" / "The Atom Age" / "Art/Empire/Industry" / "Revolt Into Style" // "Wonder Toys That Last For Ever"* / "Acquitted By Mirrors"* / "Stay Young (live)"** / "Out Of Touch (live)"** / "Disposable"*** / "Ideal Homes"**** / "Instantly Yours"****
Red Noise: Bill Nelson - vocals, guitars + synthetics / Ian Nelson - saxophone + string machine / Rick "Pinky" Ford - bass / Andy Clark - keyboards / Steve Peer - drums / produced by John Leckie and Bill Nelson
LP, Harvest Records 1979 / * von der Single "Furniture Music", Harvest Records 1979 / * von der 12" "Revolt Into Style", Harvest Records 1979 (live at the Leicester deMontford Hall, 8th March, 1979) / *** von der Bill Nelson-LP "Quit Dreaming And Get On The Beam", Mercury Records 1981 / **** von der Bill Nelson-EP "Do you Dream in Colour?" Cocteau Records, 1980
(download)

Summary: Maybe Bill Nelson is better known in England than in Europe. He was one of those so called "old farts" who dared to compete with the New Wave, so he folded his old band Be Bop Deluxe and created Red Noise to play some kind of punky sci-fi-rock. The resulting music is great but didn't sell much so the record company dropped the band. After that Nelson started a solo-career and got more and more obscure. (Does this make any sense to you?)

27.10.06

Zugvögel


Summary: Train birds. If you have understanding difficulties, we can make that out under us.


Ok... migratory birds...

26.10.06

Roter Hering


Nachdem die Bildzeitung diese Fotos von angeblichen Leichenschändungen veröffentlicht und ganz Berlin in Hysterie auszubrechen scheint frage ich mich, ob es sich hier nicht um eine Inszenierung handelt, um von viel schwerwiegenderen Vorwürfen abzulenken, nämlich der Mitwirkung deutscher Soldaten an der Folterung von Murat Kunarz, dem angeblichen "Bremer Taliban". Im Vergleich dazu sind diese Fotos doch Pippifax, aber offenbar sind Tote wichtiger als lebende Menschen. Als ich diese Schlagzeile las dachte ich zuerst, endlich wird jemand wegen der Mitwirkung an der Folterung von Murat Kunarz, dem angeblichen "Bremer Taliban", mal härter angefasst. Allerdings machte mir ein Blick auf das Foto sofort klar, dass dies nicht der Fall war. Die Republik regt sich nicht über Folter von lebenden Menschen, sondern wegen des Herumspielens mit ein paar Knochen auf – Knochen, die die Afghanen selbst nie ordentlich bestattet haben. Die ganze Hysterie über angebliche Leichenschändungen (Knochen gleich Leiche??) erscheint unter diesem Blickwinkel höchstwahrscheinlich als Inszenierung und aus der Regierung oder aus der Bundeswehr heraus lanciert, um von den viel schwerwiegenderen Vorwürfen im Fall Kunarz abzulenken, denn im Vergleich dazu sind diese Fotos doch Pippifax. Aber offenbar sind Tote wichtiger als lebende Menschen.

25.10.06

Dilbert

Einer der Nachteile, wieder einen Arbeitsplatz zu haben, ist, dass du keine Zeit mehr hast, die Hobbies zu pflegen, die du dir während der Arbeitslosigkeit zugelegt hast – bloggen zum Beispiel (ich frage mich sowieso immer, wovon die ganzen Blogger alle leben). Andererseits ist es schön, wieder etwas mehr Geld auf dem Konto zu haben – und manchmal macht einem die Arbeit auch Spaß, zumindest phasenweise (Besprechungen können manchmal ziemlich ätzend sein).
Meinen Arbeitstag fange ich IMMER mit dem neuen Dilbert an, sowohl im Original als auch in der deutschen Übersetzung, obwohl die immer ein halbes Jahr hinterherhinkt. Letzten Sonntag kam dann eine Episode, die mir richtig aus dem Herzen sprach, weil es dort um den ersten Arbeitstag ging:


Ja, auch in meiner Firma gibt es ein Organisationshandbuch im Intranet und dort Regelungen für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter, die aber vermutlich nicht auf mich zutreffen, weil ich kein "neuer" Mitarbeiter bin, sondern nur 6 Monate Pause machen musste, weil sich sonst von Gesetzes wegen mein befristetes Arbeitsverhältnis in ein unbefristetes umgewandelt hätte. Wie ich dann auch nach dem Neubeginn erfuhr ist dieses Gesetz allerdings in meiner Abwesenheit von Europäischen Gerichtshof gekippt worden wegen offensichtlichen Verstoßes gegen irgendwelche Richtlinien zum Schutz vor Diskriminierungen. Das interessante ist, dass in dem Gesetzgebungsprozess damals in Berlin alle Fachleute auf diese offensichtliche Rechtswidrigkeit hingewiesen hatten, der Bundestag dies aber doch so beschloss und deshalb auch jetzt prompt dem Prozess vor dem EuGH verlor. Was mich kurz überlegen lies, ob hier nicht eine Strafanzeige gegen den kompletten Bundestag wegen Betruges gemäß §263 StGB fällig wäre, weil sich hier der Staat einen Vermögensvorteil (Sparen von Sozialausgaben) verschafft hat und mein Vermögen geschädigt hat (niedrigeres Arbeitslosengeld statt Gehalt) durch die Verabschiedung eines offensichtlichen rechtswidrigen Gesetzes.


Tja, ich wusste an meinem ersten Arbeitstag gar nicht, wo ich überhaupt arbeiten sollte, kein Zimmer, kein Schreibtisch, nichts.


Durch etwas herumhorchen fand sich dann doch ein freier Schreibtisch mit Computer von einem Kollegen, der soeben die Abteilung gewechselt und ein neues Notebook bekommen hatte. Normalerweise kriegen hier neue Mitarbeiter einen frisch eingerichteten Rechner, aber ich war ja nicht wirklich "neu". Allerdings hatte mein alter Rechner inzwischen andere Verwendung gefunden. Okay, war auch der Reset-Knopf dran kaputt und jetzt habe ich auch einen großen Flachbildschirm so wie ein richtiger "Entwickler".


Ich habe keinen Mentor bekommen, weil ich war ja nicht wirklich "neu". Dass sich die Organisationsstruktur inzwischen geändert hatte und ich einen neuen Vorgesetzten habe erfuhr ich auch erst von dritter Seite, ging ja auch nicht anders, so ohne Mentor.


An meinem ersten Arbeitstag war das Haus fast leer, weil viele wegen dem 3. Oktober am 2. Oktober Urlaub genommen hatten, die berühmt berüchtigten "Brückentage".


Nein, ich wurde schon freundlich aufgenommen, eigentlich richtig „erwartet“. Zum Glück war das Projekt "Neuer Internetauftritt" meines Arbeitgebers im Zeitverzug, aber sich zwischen 2 Projekten mit Zeitdruck, denn sie sollen bis Jahresende fertig sein, zu zerreißen ist nicht so ganz stressfrei.


Wie gesagt, ohne Mentor ist es etwas schwierig, alle relevanten Informationen zusammen zu bekommen (Ach, Intranet und Wiki sind das gleiche? Und wie komme ich da eigentlich rein? Was soll ich da eigentlich alles dokumentieren? Und warum überhaupt, wenn mein Projektleiter – er sitzt in einer anderen Stadt – nicht darauf zugreifen kann? Und interessiert sich überhaupt jemand für die von mir entdeckten Probleme in den statistischen Daten? Ach sieh an, die andere Abteilung hat sich auch mit dem Datenproblem beschäftigt, dass mich vor einem Jahr umtrieb. Okay, das sind Fragen, die auch ein theoretischer Mentor nicht hätte beantworten können.).


Inzwischen fühlt es sich fast schon wieder an wie früher. Besonders erfreut mich die Aussicht, innerhalb des nächsten halben Jahres zweimal in der Firma umzuziehen, da kommen frühere Umzugs-Erfahrungen natürlich voll zum tragen. Leider erfährt man neuerdings einige Zeit vorher von den Umzugsplanungen, das macht es nicht mehr ganz so überraschend, dafür ist die Umzugsfrequenz etwa gesteigert.

Anyway, es hat sich inzwischen einiges an MP3s auf meinem Rechner angesammelt, und täglich kommen neue Ideen, aber wenn man lang genug zögert macht es jemand anderes. So zum Beispiel das legendäre "Devotees"-Album, eines der ersten "Tribut"-Alben mit Interpretationen der ersten Devo-LP, jetzt zum download bei PostPunkJunk Egg City Radio. Könnte man natürlich mit dem legendären "Workforce to the world"-Bootleg von Devo beantworten, aber während ich darüber grübele, WANN ich das machen soll, wird es vermutlich schon jemand anderes tun. Also bleibe ich bei den Sachen, die niemand anderer anfassen würde :-).

PS: Folgende Links zu rapidshare gehen derzeit:
Crash Course In Science und Flying Lizards
Das ist Schönheit
Hirnheimer
Klaus-Renft-Combo

Summary: Just some useless thoughts about the beginning auf my new job. And PostPunkJunk Egg City Radio offers the legendary "Devotees"-Album. Download it now!

24.10.06

Die Verteidigung hat das Wort (2):


"Hohes Gericht, Herr Staatsanwalt, das einzige Beweismittel gegen meinen Mandanten sind diese Fotos aus dem Frühjahr 2003 aus Afghanistan. Mein Mandant ging davon aus, dass es sich um ein Opfer der Terrorherrschaft der Taliban handelte. Diese Gräueltaten wollte er dokumentieren, so wie damals nach dem 2.Weltkrieg die Gräueltaten der Nationalsozialisten von den Soldaten der Siegermächte dokumentiert wurden. Die Bundeswehr sieht sich hier nicht in der Tradition der Wehrmacht als kämpfende Truppe, sondern als Friedensmacht und aus dieser besonderen deutschen Verantwortung heraus handelte mein Mandant. Dass er an diesem Morgen vergessen hatte, seine Hose zu schließen, entdeckte er erst, als die Fotos entwickelt wurden. Dies war ihm so peinlich, dass er von seiner ursprünglichen Absicht, diese Dokumente der Verbrechen der Taliban seinen Vorgesetzten zu übergeben, Abstand nahm. Im übrigen ist der Vorwurf der Totenschändung absurd und lebensfremd, dürften doch andernfalls in deutschen Museen keine Mumien und Moorleichen ausgestellt werden, ja selbst die gute katholische Tradition der Beinkammern und der Reliquienverehrung wäre in Frage gestellt. Die Vorwurfe gegen meine Mandanten sind daher unhaltbar, sie sind vielmehr ein Beweis dafür, wie deutsche Politiker und Journalisten die hergebrachten moralischen Prinzipien der deutschen Leitkultur mit Füßen treten. Um selbst für 5 Minuten die Schlagzeilen zu beherrschen beschädigen sie Sitte und Anstand in Deutschland auf Jahre hinaus. Hierüber ist mein Mandant zutiefst empört, wie seine guten Absichten von Volksschädlingen aus egoistischen Gründen in ihr Gegenteil verkehrt werden. Auch der Vorwurf, durch diese Fotos die Sicherheit seiner Kameraden gefährdet zu haben ist unredlich, war es doch nicht meine Mandant, der diese Bilder zur Veröffentlichung brachte sondern die Bild-Zeitung. Wenn in der Bildredaktion etwas mehr Ehre und Anstand vorhanden wäre, hätte diese die Fotos nicht aus rein kommerziellen Erwägungen heraus veröffentlich, sondern vielmehr die zuständigen Stellen der Bundeswehr übergeben, damit diese hätten prüfen können, ob hier ein Dienstvergehen verliegt oder nicht. Selbstverständlich liegt keine Dienstvergehen meines Mandanten vor, aber dies ist zweifellos für Außenstehende nur schwerlich korrekt zu beurteilen. Hätte die Bild-Zeitung diesen Weg des Anstandes beschritten wäre nie eine Gefahr für unsere Soldaten an der Front entstanden. Doch die Bildzeitung hat sich unanständigerweise für eine Veröffentlichung entschieden und damit grob fahrlässig, wenn nicht sogar vorsätzlich die Belange der Bundesrepublik Deutschland gefährdet. Diejenigen, die diese Veröffentlichung gegen den Willen meines Mandanten zu verantworten haben müssten daher auf den harten Bänken der Angeklagten sitzen. Im Namen des deutschen Volkes fordere ich daher Freispruch für meinen Mandanten!"

22.10.06

Auto – Technik - Waterloo


Alle Versuche, dieses Foto zu erklären, führen nur dazu die ursprüngliche Assoziation zu zerreden. Ja, diese Werkstatt liegt in der Nähe des Waterloo-Platzes und Waterloo war aus Hannoveraner Sicht keine militärische Niederlage (sonst hätte der König damals auch nicht diese Siegessäule auf den Exerzierplatz gestellt), das war sie nur für Napoleon. Aber trotzdem ist Waterloo umgangssprachlich ein Synonym für eine Niederlage (remember ABBA) und daher als Name einer Autowerkstatt nicht gerade vertrauenserweckend. Und um gleich dummen Gedanken den Hals abzudrehen, der türkische Besitzer weiß, was die Schlacht von Waterloo ist. Die Werkstatt liegt übrigens hinter dem Finanzamt Hannover-Mitte. Finanzamt und Waterloo passt auch gut zusammen.

Summary: This is a photograph of a garage located near the local inland revenue and Waterloo place in Hannover. No, the turkish owner knows what the battle of Waterloo was, but I wouldn’t dare to give a garage the name of a battle which is remembered as a great defeat (for Napoleon, not his enemies like the King of Hannover).

18.10.06

Nach der Wahl ist vor der Wahl


Inzwischen vermute ich, dass dieses Wahlplakat mit Absicht über einem Monat nach der Kommunalwahl noch vor dem Eingang der Agentur für Arbeit hängt, wahrscheinlich zur Agitation des Prekariats. Was aber nicht funktionieren kann, weil ja diese bildungsfernen Schichten nach Ansicht des Potsdamer Fernsehwissenschaftlers Lothar Mikos Fernsehsendungen mit Kultur, Politik und Geschichte vermeiden, insbesondere Nachrichten, Polit- und Kulturmagazine oder zeithistorische Dokumentationen (Wer sieht sich dann noch die McHistory-Filmchen von Guido Knopp an?). Also wird sich das Prekariat auch nicht für politische Plakate im öffentlichen Raum interessieren, weil "die da oben" sich ja eh nur um ihren Geldbeutel, aber sich nicht um "uns(eren Geldbeutel)" kümmern. Tja, wie schafft man es als Politiker, nicht mit Politikern in einen Topf geworfen zu werden?

Klaus Renft R.I.P.


Dass Klaus Renft, der Gründer der legendären DDR-Rock-Gruppe Renft-Combo, gestorben ist war sogar eine Meldung in der Tagesschau wert. Nachrufe gibt es auch schon viele, hier, hier, hier und hier, so dass ich dem nichts mehr hinzufügen möchte. Die Legend von der Renft-Combo kommt ja daher, dass sie im System, der DDR als Musiker an die Grenzen gegangen sind, wo andere wie die Buhdies sich angepasst haben. Das führte bekanntermaßen 1976 zum Auftrittsverbot und zwangsweisen Ausreise von Klaus Renft nach West-Berlin. In der DDR waren 2 LPs von Renft erschienen, die ganz schnell gestrichen wurden. Im Westen erschien eine LP mit Raritäten und danach wurde die Gruppe für über 10 Jahre total vergessen. Was bleibt war ihr Mut, sich nicht anzupassen und dementsprechende Songs zu schreiben. Auf der 1980 im Westen erschienen LP, vermutlich ihre seltenste Schallplatte, sind auch jene 2 Stücke enthalten, die zu ihrem Verbot führten, "Rockballade vom kleinen Otto" über das Thema Republikflucht mit der zeitlosen Zeile "Leben ist wie Lotto, doch die Kreuze macht ein Funktionär", weil die Funktionäre ja heute immer noch regieren, aber geschickter auftreten (der Unterschied zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland war eigentlich der Unterschied zwischen Knast und Gummizelle und ich frage mich wirklich, ob es wirklich schlimmer ist, wenn du für das, was du sagst, bestraft wirst, als wenn du sagen kannst, was du willst, aber dir niemand zuhört), und "Glaubensfragen" über Kriegsdienstverweigerung in der DDR.

Rock aus Leipzig Renft-Combo Live:
Rockballade vom kleinen Otto / Glaubensfragen / Was mir fehlt / Als ich wie ein Vogel war / Aber ich kanns nicht verstehn //
Nach der Schlacht / Ich und der Rock / Autostop / Gänselieschen / Apfeltraum
LP, Eigenverlag, 6.22093, 1980

Renft-Combo "Rockballade vom kleinen Otto" (download) (text)
Renft-Combo "Glaubensfragen" (download) (text)

15.10.06

Die Kinder sind nicht mehr durstig


Keine Ahnung, wie lange dieser Kiosk schon dicht hat. Könnten Jahre sein. Vielleicht sind Inge’s Kinder erwachsen geworden und haben ihren Kleingarten in der Kolonie dahinter verkauft?

Summary: I’ve been told that the word "Kindergarten" needs no translation.

11.10.06

Die Verteidigung hat das Wort:


"Hohes Gericht, Herr Staatsanwalt, der Tod von Kevin hat nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch meinen Mandanten, seinen Vater, zutiefst erschüttert. Er würde alles geben, um die Geschehnisse dieses Tages rückgängig zu machen, doch war es ihm damals unmöglich, die tragische Verkettung an sich banaler Ereignisse zu erkennen. Nach dem Tod seiner Mutter wurde die Beziehung zwischen Kevin und meinem Mandanten immer intensiver. Leider war Kevin ein sehr verletzungsanfälliges Kind, immer wieder stürzte er beim Spielen. Aus Verantwortung um Kevins Gesundheit sorgte mein Mandant daher dafür, dass Kevin zum Spielen nicht mehr die Wohnung verlassen musste. Eines der Lieblingsspiele von Kevin war Verstecken. Leider war mein Mandant wegen seiner Heroinsucht an jenem Morgen nicht so aufmerksam wie sonst, weshalb ihm entging, dass sich Kevin einen sehr ungewöhnlichen Ort zum Verstecken ausgesucht hatte, nämlich den Kühlschrank. Als mein Mandant Kevin nicht finden konnte suchte er verzweifelt die ganze Wohnung ab, außer den Kühlschrank. Diese Versteckidee kam ihm zu absurd vor. Aus der Verzweiflung, trotz stundenlanger Suche Kevin nicht finden zu können, griff mein Mandant leider wieder zur Droge und so fand ihn dann die Polizei, zugedröhnt und die Wohnung in Unordnung von der verzweifelten Suche nach Kevin. Kevin selbst muss ein Martyrium im Kuhlschrank erlebt haben, seine Verletzungen stammen offensichtlich von seinen leider erfolglosen Befreiungsversuchen. An all dem ist aber mein Mandant vollkommen schuldlos. Den einzigen Vorwurf den man meinem Mandant machen könnte ist, dass er ein großen Fan der sogenannten “neuen deutschen Welle”-Musik ist und im Besitz einer CD der Musikgruppe “Die Radierer” mit dem Titel “Eisbären und Zitronen”, nebenbei gesagt inzwischen ein echtes Sammlerstück, das ginge bei ebay ab wie Schmidts Katze. Darauf befindet sich das Lied “Versteck dich nicht im Kühlschrank” und dies hat offenbar Kevin dazu angeregt, sich genau dort zu verstecken. Es wäre jedoch an dieser Stelle zu fragen, warum ein solches dekadenten Musikstück, dass Kinder zu solchen schrecklichen Unfällen verleiten kann, überhaupt in Deutschland veröffentlich werden darf. Hier liegt doch bereits ein Versagen der Behörden, insbesondere der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften vor, die es seit einem Vierteljahrhundert nicht schafft, diese Gefahr zu bändigen! Warum die Staatsanwaltschaft nicht auch in diese Richtung ermittelt hat dürfte wohl nur aus dem Grundsatz “Eine Krähe hackt einer anderen keine Auge aus” heraus zu verstehen sein. Hier sollen offenbar behördliche Missstände vertuscht und mein Mandant als Sündenbock präsentiert werde. Auf Grund dieses eklatant rechtwidrigen Verhaltens der Staatsanwaltschaft kann es daher für meinen Mandanten nur eine Antwort geben: Freispruch!"

Ein Mann im Schnee


Steht ein Mann fast nackt im Schnee.
Wer kann das sein, wer tut uns weh?
Na klar, nur einer ist der Schlemiel:
Emil Schellhorn, der String-Emil.
Zeigt aller Welt sein Gemächt,
sieht scheiße aus, wird euch nicht schlecht?
Wieso gibt’s Leute, die da zahlen
Für sein T-Shirts, die banalen?
Und stecken Kinder da hinein
Schicken Fotos bei Emil ein.
Diese Menschen sind ehrlich
Und darum sind sie gefährlich.

4.10.06

Stadtkind revisited


Hallo Martin Fuchs,
(...) Schön, dass Du das Stadtkind derart sezierst. Gute und berechtigte Kritik ist immer gut. Schade, dass Du Dich nicht schon mal eher gemeldet hast. Du bist herzlich eingeladen, bei uns mal das Niveau zu heben. Was würdest Du zum Beispiel zur wohl anstehenden Stichwahl machen? Ein bisschen flach finde ich Deine Texte immer dann, wenn Du persönlich wirst. Wozu? Wenn Deine Kritik berechtigt ist, reicht das doch.
Leider disqualifiziert das unnötig Deine teilweise sehr klugen Gedankengänge. Was Deine Kritik am Magazin insgesamt angeht, so habe ich auf den ersten Blick den Eindruck, dass Du vom Stadtkind, von Zeitungsmarkt in Hannover und von einigen anderen Dingen, doch sehr wenig weißt. Wenn Du etwas drüber erfahren willst, kläre ich Dich gerne mal auf. Dann wäre Deine Kritik in dieser Richtung zukünftig vielleicht etwas fundierter.
Beste Grüße,
Lars Kompa


Lieber Lars,
Dein Brief stürzt mich in tiefe Verwirrung. Einerseits sagst Du, meine Gedankengänge seien klug und ich solle das Niveau von Stadtkind heben helfen. Andererseits schreibst Du, ich hätte vom "Zeitungsmarkt in Hannover und von einigen anderen Dingen" keine Ahnung. Ich verstehe dies so, dass die von mir kritisierten Sachverhalte von der Stadtkind-Redaktion aus ökonomischen Gründen befürwortet werden. Wie stellst Du Dir unter diesen Voraussetzungen eigentlich eine Zusammenarbeit vor? Ich als kritisches Politik-Feigenblatt für Dein verkapptes Werbeblatt? Gerade das aktuelle Titelblatt hat mir den Rest gegeben, diese Anbiederung an Ikea schon auf dem Titelblatt symbolisiert geradezu redaktionelle Willfährigkeit. Ne danke, Stadtkind ist für mich gestorben.
Nichts für ungut,
Dein Martin

1.10.06

Hirnheimer


Diese Single habe ich 1985 für 2 Mark im legendären Plattenladen Musicland in Hannover aus der Grabbelkiste gezogen. Nun ist eine Single in grauem Cover und nur mit Blindenschrift geprägt auch sicher nicht leicht verkäuflich (es sei denn, es steckt eine fette Marketingkampagne dahinter), wo doch Menschen mit gutem Augenlicht Blindenschrift in den seltensten Fällen lesen können. Ich nahm sie mit, weil billig und mal in SoundS erwähnt (bin jetzt aber zu faul die Erwähnung rauszusuchen - lest einfach www.sub-bavaria.de/wiki/Hirnheimer) und zur Abrundung der Plattensammlung. Sie war interessant, weil aus Würzburg, was nicht als Ort mit nennenswertem Punk-Aufkommen bekannt war, und irgendwie unrockig klang. Jahrelang ging mir die Idee einer Compilation mit irgendwie funkigen Sachen aus dieser Zeit durch den Kopf. Passt gut zu Mutterfunk (alias Motherfunker - waren mit ihrer Maxi-Single vor 3 Monaten bei MeinWalkmanIstKaputt im Angebot) und Front aus Hamburg, vielleicht auch zu Mau Mau, ist aber etwas noisiger. Definitiv fand ich die Single interessanter als alles was damals als Deutsachpunk herauskam. Eisenblätter/Strache beschreiben die Single in ihrem Standartwerk NDT-NDW als "avantgardistischen Gitarren-Wave". Es soll auch eine Cassettenveröffentlichung geben. Kommentare erwünscht!

Hirnheimer "Fortschritt"/"Grenze"
Recorded: Pas-Studio M. Radtke
E. Steinmitz - Baß / P. Pohl - Synthesizer, Saxophon, Stimme / F. Lelonek - Schlagzeug / Th. Gawlas - Gitarre / Gäste: Eddi Rüdel - Gitarre / Bernadette Zurasky - Gesang / Brigitte Knauer - Gesang
Single, 1981, Marode Records, Würzburg
(download)

Summery: Hirnheimer from Würzburg/West-Germany released in 1981 a single with a cover completely written in Braille. Of course most people couldn't read it and so it flopped. I bought my copy 4 years later cheap because I vaguely remembered a review in the legendary German SoundS-magazine. Eisenblätter/Strache classify it as "avantgardistic guitar wave". If you like the music from German bands like Mutterfunk, Front, Mau Mau and some noise you sure will like it too. Please leave a comment!

PS: Kleenex-Interview wieder verfügbar!

PPS: Ebenfalls wieder verfügbar sind "Gefühl und Härte" und "Scala".