30.11.06

Die Hannoveraner kommen!


Wenn jemand von Hannoveraner redet meint er entweder Pferde oder die Einwohner dieser angeblich langweiligsten Stadt Deutschlands. Hier allerdings sind Autoreifen gemeint. Zur Markteinführung des neuen Conti TT-Gürtelreifen präsentierte Continental einen alten Reitermarsch, aufgeführt von musizierenden Grenzschützern (Alter Bundeswehr-Witz: Was macht das Heeresmusikkorps, wenn der Russe kommt? Weiterspielen. Ha ha ha!) und alternativ verswingt von Max Greger, der zweiten deutschen Alternative zu James Last. Über den möglichen Sinnzusammenhang zwischen Pferden und Autoreifen möchte ich jetzt nicht philosophieren....

"Die Hannoveraner kommen!"
Musikkorps des Bundesgrenzschutzkommandos Nord Hannover, Ltg. Oberstabsmeister i. BGS Max-Albrecht Riechers "Hannoverscher Reitermarsch" (nach Motiven des Garde-Jäger-Marsches von 1805, Arr. Hans Döpke) / Max Greger und sein Orchester "Die Hannoveraner kommen" Marschfox (nach Motiven des Garde-Jäger-Marsches von 1805, Arr. Delle Haensch)
Single, ohne Jahr, Continental 0015 029
(download)

Summary: A promotional gift for tyres by Continental with a swing version of an old military march by Max Greger, who was famous in Germany similar to James Last because he and his Big Band were in nearly thousand tv shows viewed by the ZDF. Yeah, military music can groove too without goose-step (What kind of dictionary is this? "Goose-step" more sounds like Gänsemarsch, not Stechschritt) ...

28.11.06

Mein Hannover

Rudi Herrmann "Mein Hannover" (Hans Laube) / "Herrenhäuser-Gärten" (Hans Laube)
Arr. by Gerd Schmidt, Prod. by Hans Laube, Studio Orchester und Chor
Single, ohne Jahr, Vertrieb: H. Laube, Hannover-Bad Eilsen, 0105 547


Letzte Woche hatte ich einen Kommentar im Blog, bei dem ich mich zuerst angepisst fühlte: "Gegen das Leiden an der "Heimat" kann man was tun!". Denn Erich verschweigt, was denn das Mittel gegen das Leiden an der Heimat sein könnte. Mehr Dekonstruktivismus? Mehr Kommunismus?
Und überhaupt, was ist das für ein Stil jemanden öffentlich ein Leiden, hier offenbar als seelische Krankheit zu verstehen, zuzuschreiben, noch dazu ohne Therapie-Vorschlag? So jedenfalls ich habe ich diesen Kommentar verstanden.

In der ersten Version dieses Textes folgte an dieser Stelle eine längere Art Rechtfertigung, aber wofür habe ich mich eigentlich zu rechtfertigen und gegenüber wem? Bin ich irgendjemand Rechenschaft darüber schuldig was ich blogge? Natürlich kann ein Text manchmal über den/die AutorIn mehr aussagen als dieser/diesem angenehm ist. Aber anderen Salz in Wunden zu streuen ... ist vielleicht ein neuer deutscher Volkssport, kommt vielleicht auch vom zuviel Bild-Zeitungs-lesen, leider dürfen wir uns nicht mehr Herrenmenschen nennen, aber wir können dem Rest der Welt ja auch auf anderem Weg zeigen, dass wir noch immer überlegen sind, äh über den Dingen stehen und ans nichts Schuld haben, äh nicht wirklich verantwortlich sind, äh sind wir nicht alle irgendwie mitschuldig und Täter, das haben doch andere auch schon so gemacht, das ist doch gar nicht so schlimm, äh ich muss jetzt mal weg, hab noch einen Termin, den ich unbedingt wahrnehmen will. Ob das jetzt hermetisch ist? Na und?

Die Stadtsparkasse Hannover präsentiert Die Hannover Platte zum Weltspartag der Sparkassen am 30.Oktober 1974
Rudi Herrmann "Die alte Kröpcke-Uhr" (Hans Laube) Arr. by Gerd Schmidt, Prod. by Leuenhagen & Paris, Studio Orchester und Chor / Walter Böhm "Hannover lacht" (Text: Walter Böhm), Prod. By Leuenhagen & Paris
Single, 1974, L&P-Ton 0 105 519


Über Rudi Hermann selbst kann ich nicht viel sagen, keine Ahnung wie viele Platten er aufgenommen hat, aber ich nehme mal an, dass er in der 60er und 70er Jahren oft mit seinen sentimentalen Blasmusik-Schlagern in Hannover aufgetreten ist. Ob mir die Musik gefällt? Who cares, take it or leave it. Musik ist mehr als Tokio Hotel, James Last und Arnold Schönberg. Und man sollte immer wissen wie der Klassenfeind denkt, bzw. welche Musik er hört. Die Berliner Stadtguerilla der 60er Jahre stand z.B. auf Udo Jürgens, wie Bommi Baumann in Sounds im Juli 1981 berichtet.
Das Lied "So ein schöner Tag" fehlt, weil meine Single eine große Delle hat. Von dem was die Plattennadel trotzdem übermitteln konnte kann ich aber sagen, dass es die Erkenntnisse über das musikalische Schaffen von Herrn Herrmann nicht wirklich erweitert. Und demnächst poste ich mal echten Nazi-Rock, damit ein paar mehr Kommentare kommen…

Rudi Herrmann (download)

Summary: Rudi Herrmann is/was a local vocalist who recorded some singles with sentimental brass music and lyrics that refer to well known locations in Hannover, like the Kröpcke-Uhr which is an ugly public clock in the new town center in Hannover. The old town center was destroyed in second world war, but I cannot deceide if it was any better. There is a German illness called "Denkmalschutz" which tries to preserve old monuments even if they are of no use anymore. It's a symbol of thinking of the past and not the future, or thinking only of the dangers the future might bring and not the possibilities. There is also an American illness which only makes people think of the possibilities the future can bring and not caring about the dangers this might include and if the possibilities are of any use for somebody else except their own bank account. I really like Malcom McLaren's slogan "You got to destroy to create", but you should know what you will create before destroying anything. The "Herrenhäuser Gärten" are well known gardens from the Baroque era and this schmaltzy song is about young couples meeting there ...

25.11.06

Sparkasse Hannover


Kriminelle sind meistens bekannter als Künstler. Einige mögen schon von dem hannoverschen Künstler Kurt Schwitters und seiner Merzkunst gehört haben, ein Maler, Plastiker, Lyriker, Grafiker und Collagist, der in der breiten Öffentlichkeit nie die Anerkennung erlangt hat, die ihm kunsthistorisch zusteht und dessen "Ursonate" und das bekannte Gedicht "Anna Blume" eigentlich immer nur als Witz verkannt werden. Mehr Leute werden aber von Fritz Haarmann gehört haben, dem schwulen hannoverschen Massenmörder und Polizeispitzel, über den es dann, nachdem er zum Tode verurteilt worden war, auch einige Spottverse gab. Was mich an meine ehemalige Latein-Lehrerin Ilse Gloss erinnert, die wegen Alkoholproblemen vom Schuldienst beurlaubt wurde (mein Französisch-Lehrer aber nicht) und dann ein oder zwei Jahre später in Kiel von einem Hotelangestellten vergewaltigt und ermordet wurde. Da gab es dann an der Schule so schöne Verse wie
Warte warte nur ein Weilchen, dann Haarmann auch zu Gloss
und mit seinem Hackbeilchen schlachtet es das alte Ross.

Oder auch:
Ilse Bilse, niemand will'se, kam der Koch, nahm sie doch.
Kinder können schon grausam sein. Dagegen ist das Lied "In Hannover an der Leine" von der Georgia Street Jazzband doch eher nett. Interessanterweise erschien die gleiche Aufnahme auf ihrer eigenen LP unter dem Titel "Haarmann", aber der war der Stadtsparkasse Hannover für diese Werbeplatte zum Weltspartag 1974 wohl nicht familienfreundlich genug.


Die Stadtsparkasse Hannover präsentiert Die Hannover Platte zum Weltspartag der Sparkassen am 30.Oktober 1974
Georgia Street Jazzband "In Hannover an der Leine" (Kollo) Prod. by Leuenhagen & Paris / Jens Brenke "Wenn ich einmal reich wär" (Jerry Bock/Sheldon Harnick) / "Heimkehr nach Hannover" (Hermann Löns) Orgel: Aad Kersbergen, Prod. by Leuenhagen & Paris
Single, 1974, L&P-Ton 0 105 520


Auf der Rückseite dieser Single befindet sich ein Auszug aus der LP "Jenseits Live" von Jens Brenke, wobei nur der zweite Titel einen Hannover-Bezug hat, ist es doch ein Gedicht den niedersächsischen Nationaldichters Hermann Löns, der sich hier an Hannover als Stadt der Baustellen erinnert. Hat eine gewisse Zeitlosigkeit, das Thema. Neulich sah ich 2 weitere LPs von Jens Brenke, die bei größeren Plattenfirmen erschienen waren und die etwas von jüdischem Humor sagten, etwas, was es in den heutigen Zeiten der politischen Korrektheit ja nicht mehr geben darf.


Blasorchester der Stadt Langenhagen, Leitung: Musikmeister Ernst Müller "Schützenausmarsch" Marsch (Kurt-Willy Hein) / Rhythmusgruppe des Flughafen-Tanzorchesters, Männerchor, Georg Schneider, Gesang, Blasorchester der Stadt Langenhagen, Leitung: Musikmeister Ernst Müller "Sparschweinchen-Walzer" (Kurt-Willy Hein)
überreicht durch die Stadtsparkasse Hannover
Single, ohne Jahr, Ihre Sparkasse präsentiert 1001


Als Zugabe noch den "Schützenausmarsch", interpretiert natürlich wieder von Ernst Müller und dem Blasorchester der Stadt Langenhagen. Das 477 Jahre alte Schützenfest ist ja eines der wenigen Alleinstellungsmerkmale Hannovers und sogar der NDR lässt sich dazu herab den jährlichen Schützenausmarsch live im Fernsehen zu übertragen, aber der überträgt ja auch den Karneval in Braunschweig und das ist natürlich absolut unterirdisch, nicht nur weil jeder anständige Hannoveraner ein Problem mit Braunschweig hat, sondern weil Karneval eine katholische Institution ist und nichts mit dem hiesigen Protestantismus zu tun hat. Karneval in Braunschweig und Hannover ist ein Synonym für geistig-moralischen Niedergang.

Georgia Street Jazzband "In Hannover an der Leine" / Jens Brenke "Heimkehr nach Hannover" / Blasorchester der Stadt Langenhagen "Schützenausmarsch" (download)

Summary: Yes, Hannover has its own serial killer, Fritz Haarmann. The Georgia Street Jazzband has a song about him. Then there is some local humour with a poem by Hermann Löns, who was famous for his writings about the Lüneburger Heide. Finally welcome back to Ernst Müller and his "Schützenausmarsch", a tribute to the large gunman festival (I will be cruzified for this translation but I'm too lazy to come up with a proper one). All three tracks are from singles given away free by the local savings banks as promotion for world savings day.

23.11.06

Der lustige Hannoveraner

Hier haben wir 2 verschiedene Aufnahmen des Marschmusik-Schlagers "Der lustige Hannoveraner", einmal in einer Aufnahme des Gebläses der unvermeidlichen Ernst Müllers aus Langenhagen, diesmal unter dem Namen Niedersächsisches Blasorchester (vermutlich eine Zusammenlegung aus den schrumpfenden Einzelensembles) zusammen mit dem Niedersachsenchor (vermutlich ein ähnliches Produkt abnehmender Sangesfreudigkeit). Das gleiche Stück gibt es dann in einer Version des – bitte festhalten – Blockflötenorchesters der Epiphaniasgemeinde Hannover. Hier wird Professionalität durch menschliche Wärme ersetzt und klar gebe ich dieser Version persönlich den Vorzug, aber hört es Euch selbst an. Von den Blockflötenorchester gibt es übrigens (mindestens) 4 LPs!


Niedersachsenchor Hannover und Niedersächsisches Blasorchester "Von der Weser bis zur Elbe"
"Das Lied der Niedersachsen" (Hermann Grothe, 2. Strophe: nach Max von Schenkendorf/Arr.: Gerd Wellnitz) / "Der lustige Hannoveraner" (traditionell/Arr.: Schmidt-Köthen) / "Auf der Lüneburger Heide" (Hermann Löns/Mel.: Ludwig Rahlfs/Arr.: Hermann Lamprecht) // "Singende, klingende Heimat" - Volksliederpotpourri - (Bearb.: A. Bastian/Arthur Hansen) Inhalt: Kein schöner Land/Im Frühtau zu Berge/Wohlan die Zeit ist kommen/Es, es, es und es/Jetzt kommen die lustigen Tage/Kein Feuer, keine Kohle/Mein Mädel hat einen Rosenmund/Schwarzbraun ist die Haselnuß/Und in dem Schneegebirge/Horch was kommt von draußen rein/Hab mei Wage vollgelade/Im Krug zum grünen Kranze/Ein Heller und ein Batzen
Niedersachsenchor Hannover, Chordirektor Wilfried Garbers, Niedersächsisches Blasorchester, Musikdirektor Ernst Müller, eine Produktion des Tonstudio U. Hoffmann, Siegen, Toningenieure: U. Hoffmann u. A.. Metschies
Maxi-Single, ohne Jahr, Privatpressung MS 08998



Das Blockflötenorchester der Epiphaniasgemeinde Hannover, Leitung: Monika Preuss-Richter "Für unsere Freunde"
"Das große Halleluja" / "Trumpet Tune" / "Choral von Bach" / "Ave, Verum Corpus" / "Laudato Si, O Mio Signor " / "La Paix, Feuerwerksmusik" / "Eine kleine Nachtmusik I" // "Yorckscher Marsch" / "Volksweise aus Puerto Rico" / "Yellow Submarine" / "Yesterday" / "Volksweise aus Haiti" / "Loch Lomond" / "Alexander's Ragtime Band" / "Alter Fox" / "Wir lustigen Hannoveraner"
LP 1988, Privatpressung 66.24534-01


Niedersachsenchor Hannover und Niedersächsisches Blasorchester "Der lustige Hannoveraner" / Das Blockflötenorchester der Epiphaniasgemeinde Hannover "Wir lustigen Hannoveraner" (download)

Summary: Here are 2 very different version of the old brass music tune “The gay Hannoveraner” – I mean “gay” in the traditional way, not the homosexual. Also I don’t want to translate the title as "The funny Hannoveraner" because that would sound like you can laugh about the citizens of Hannover like you can laugh about a clown. This is not the intention of the title of this tune. The first version is a usual performed by choir and brass band, but the second version is from a children orchestra from a local church playing recorders. It’s charming.

22.11.06

Amoklauf


Schlagfertigkeit ist eine Kunst, die ich nicht unbedingt beherrsche. Meistens kommt mir die passende Antwort erst später in den Sinn. So zum Beispiel zum gescheiterten Amoklauf von Bastian Bosse aus Emsdetten (gescheitert deshalb, weil er es trotz großmäuliger Ankündigung nicht geschafft hat, jemand mit in seinen Tod zu nehmen): Mono Für Alle mit ihrem Untergrundhit "Amoklauf":

Heute halte ich es nicht mehr aus,
mit einer Waffe verlasse ich das Haus.
Mein Herz schlägt etwas schneller als normal,
denn ich weiss, die Folgen sind fatal.
Ich werde von euch gehen am heutigen Tag,
doch nicht allein - nein, das ist nicht meine Art.
In diesem Magazin sind sechzehn Schuss,
und ich weiss genau, was ich damit machen muss...

Amoklauf, Amoklauf - Menschenleben gehen dabei drauf!

An irgendeinem Platz, wo viele Leute sind,
egal ob Alte, Kranke oder Frauen mit Kind,
ich schiesse einfach in die Menge rein.
Die Menschen sind entsetzt und sie fangen an zu schreien,
direkt vor mir stirbt ein Mann,
und dort liegt eine Frau, die sich nicht mehr bewegen kann.
Ihr kleines Kind, das ängstlich schaut,
versteht noch nicht: ich hab sein Leben soeben versaut...

Amoklauf, Amoklauf - Menschenleben gehen dabei drauf!

Tatütata - da kommt die Polizei,
sie haben für leute wie mich Spezialisten dabei.
Ein Psychologe redet auf mich ein,
dass das nichts bringt und ich soll doch vernünftig sein.
Er weiss nicht, dass er mich damit provoziert,
ich habe doch selber mal Psychologie studiert.
Sein Gequatsche regt mich nur noch auf,
ich drücke ab und schiess ihm in den Bauch...

Amoklauf, Amoklauf - Menschenleben gehen dabei drauf!

Endlich wird das SEK gebracht,
dass das so lange dauert hätte ich niemals gedacht.
Die Scharfschützen beziehen Position,
jetzt wird es ernst und zack - da passiert es auch schon.
Ein Schuss hat mich an meinem Bein erwischt,
doch den Schützen treffe ich selber mitten in sein Gesicht.
Der grüne Anzug färbt sich langsam rot,
ein Mann vom SEK ist auf der Stelle tot...

Amoklauf, Amoklauf - Menschenleben gehen dabei drauf!

Mit letzter Kraft hab ich's geschafft,
einsam sitze ich in einem Belüftungschacht.
Hab grosse Schmerzen, doch ich mache kein Geschrei,
mein Leben zieht wie ein Film an mir vorbei.
Eine Träne läuft über mein Gesicht.
Wie konnte das passieren? - Ich weiss es nicht.
Eine letzte Kugel hab ich noch.
Peng! - Da drück ich ab und ich schiess mir in den Kopf.

Amoklauf, Amoklauf - Menschenleben gehen dabei drauf!


Mono Für Alle sind übrigens 3 Tage vor der Tat in Hannover aufgetreten.

Mono Für Alle "Amoklauf" (download) / (mehr Musik)

Summary: When I heard about Bastian Bosse running amok in Emsdetten and killing himself this song came in my mind: "Amoklauf" by Mono Für Alle. Check out this strange trio with drums/bass/keyboards and no guitars.

21.11.06

Flughafen-Tanzorchester Langenhagen


Früher war alles ... nein, nicht besser ... früher war alles anders. Vor der Machtergreifung von Helmut Kohl gab es die sogenannte "Deutschland AG", in der die gesamte westdeutsche Wirtschaft ineinander verflochten war. Alle steckten gegenseitig ihre Claims ab und Wettbewerb war noch ein Fremdwort - und es gab noch viele Arbeitsplätze. Ich will nicht sagen, dass es immer sinnvolle Arbeit war, aber damals konnten die Firmen sich noch kulturelles Sponsorentum ohne Rücksicht auf Werbewirksamkeit leisten. Heute dagegen, wo die Aktienkurse regieren und die Firmen auf maximalen Profit und geringste Kosten getrimmt werden, wo jeglicher Gewinn an die Aktionäre ausgeschüttet wird und nichts in den Firmen bleibt, um langfristige Strategien zu entwickeln oder gar die Substanz zu erhalten, welcher Flughafen kann sich da noch ein eigenes Tanzorchester leisten?! Damals ging das noch und so finden sich auf dieser LP von Ernst Müllers Langenhagener Blasmusik auch Aufnahmen zusammen mit besagtem Flughafen-Tanzorchester, dabei mal wieder ein Loblied auf den einheimlichen Trinkbrauch namens "Lütje Lage" und eine Hymne auf Niedersachsen, beides komponiert von Herrn Döpke, der ja auch an der Single von Heinz Eckner mitkomponiert hatte. Beide musikalischen Vorträge sind natürlich hochprofessionell und daher etwas langweilig, aber es sind eben Lieder der raren Kategorie Hannoveraner Lokalpatriotismus.

Langenhagener Blasmusik "Niedersachsenland"
"Niedersachsenland (u. V. Von der Weser bis zur Elbe)" (Grote/Döpke) / "Laridah" (Hempel) / "Lüttje Lagen müssen sein" (Döpke) / "Trumpets Wild" (Walters) Solo für 3 Trompeten / "Graf Zeppelin" (Teike) // "Regimentsgruß" (Steinbeck) / "Der Lüneburger (u. V. Auf der Lüneburger Heide)" (Döpke) / "Sport und Spiel" (Lamprecht) / "Das schöne Niedersachsenland" (Döpke) / "Zum Städel hinaus" (Meissner)
Blasorchester der Stadt Langenhagen, Leitung: Musikmeister Ernst Müller, Mitwirkende: Flughafen-Tanzorchester. Ltg. Walter Bartels, Solistenvereinigung Langenhagen, Hans-Joachim Pape, Bariton, Walter Bartels, Raimund Paduch, Peter Wollten, Trompete
LP, nach 1970, Privatpressung LG 6001

Flughafen-Tanzorchester "Lüttje Lagen müssen sein" / "Das schöne Niedersachsenland" (download)

Summary: Again 2 songs in praise of the local alcoholic custom called "Lütje Lage" and the artificial state Lower Saxony, both performed by the Airport Big Band from Langenhagen. Have you ever heard of an airport who had his own Big Band? Okay, this was some 30 years ago...

20.11.06

XTC RIP?


Heute kam die neue SPEX-Ausgabe und darin wird die Andy Partridge-Demo-Box "The Fuzzy Warbles Collector Album" bejubelt, wobei die einzelnen Fuzzy Warbles CDs ja schon in den letzten 4 Jahren einzeln veröffentlicht wurden und jetzt gibt es eine Verpackung plus Bonus-CD dazu, die ich zum Glück auch einzeln bei APE bestellen kann. Trotzdem bleibt ein komischer Geschmack im Mund zurück. Die Instru-Venus- und Wasp-Strumental-CDs von XTC waren ja auch schon etwas merkwürdiger als die beiden Veröffentlichungen mit den Demos zu Apple Venus und Wasp Star namens Homespun und Homegrown, bei der Apple-Venus-Box mit allen 4 CDs plus Link zum Download von 2 neuen Track habe ich schon die Zähne zusammengebissen und bei der aktuellen Idee, die Stücke von Apple Venus und Wasp Star in einer Singles-Box neu rauszubringen greife ich mir nur noch an den Kopf, auch wenn Spiral und Say It dann endlich eine handfeste Veröffentlichung erhalten und nicht nur als Download.
Dass Andy Partridge in der SPEX erwähnt wird ist allerdings schon bizarr, ist er doch das absolute Gegenteil von Elektronik und den ganzen jungen The-Bands. Nicht Erwähnung findet dagegen "Monstrance", das kommende Doppel-CD-Projekt mit Barry Andrews, der vor 25 Jahren auch mal bei XTC war, und einem Schlagzeuger mit eineinhalb Stunden reiner Improvisationsmusik - okay, ist musikalisch vielleicht eher was für die testcard.
Im übrigen ist vermutlich eh alles zu spät, denn laut der XTC-Fan-Seite Chalkhills ist XTC derzeit am Ende, hat doch Herr Rebhuhn (hallo Babelfisch!) gegenüber dem englischen Mojo erklärt: "Ich spreche von XTC in der Vergangenheit. Sie sind in der Tiefkühltruhe und ich weiß nicht, wenn sie je wieder herauskommen. Colin [Moulding] rief mich vor kurzem an und sagte, er wäre überhaupt nicht mehr an Musik interessiert, und ohne ihn wäre es nicht XTC." An anderer Stelle erzählt Andy noch, Colin sei umgezogen und hätte weder Telefonnummer noch neue Anschrift hinterlassen. Noch mehr Überraschung aber bietet der folgende Satz: "Aber es gibt Hmms und Ähs, wieder mit Dave Gregory zusammen zu arbeiten, also kann ich nicht "Nein" sagen". Die beiden sollen sich einmal wöchentlich zum gemeinsamen Kaffeetrinken treffen. Hmm… äh… was soll das jetzt wieder bedeuten? Andys Tochter hat übrigens eine eigene Band namens The Shebeats.

xtc@myspace

Summary: According to chalkhills.org XTC might have deceased and Andy Partridge might be working with Dave Gregory again. Does that make sense to somebody?

19.11.06

Front und Mutterfunk

Vor ein paar Woche hatte ich Hirnheimer ausgegraben und den Vergleich zu Front und Mutterfunk gezogen. Deren Musik möchte ich jetzt nachreichen:


Front kamen aus Hamburg und entstanden interessanterweise aus den Ruinen der legendären Hamburger Punkband Coroners. Sie nahmen 2 Singles auf für Alfred Hilsbergs ZickZack Schallplatten, was einen weiteren interessanten Kontrapunkt zu ihren Zeitgenossen The Buttocks und deren Hasshymne auf Hilsberg "Nein Nein Nein" setzt. Was den Gitarristen Godehard "Gode Bullshit" Buschkühl (später noch bei Mona Mur und laut www.gesellschaftsinseln.de/punkbuch heute Bauingenieur) und den Schlagzeuger Ralf Hertwig (später bei Palais Schaumburg und heute Drehbuchautor für Film und Fernsehen - er nahm auch mit Michael "Ziggy XY" Jarick von Kosmonautentraum die Maxi "Bergtraum" auf) zu dem Stilwechsel von Coroners-Punk zu Front-Funk/Dub veranlasste weiß ich nicht, vielleicht waren es die vielen komischen Rough Trade-Singles, die es im Hamburger Rip Off-Laden gab, oder auch James Chance? Die erste Single klingt noch etwas klischeehaft mit ihrem Hasstext auf Hippies, aber die zweite Single ist richtig klasse minimalistisch. Leider war es das dann auch schon außer einem Beitrag zu dem "Lieber zuviel als zuwenig"-Sampler.


"Alternativ" / "City West" (Single, Zick Zack ZZ19, 1980) / "Blech und Liebe" (vom "Lieber Zuviel Als Zuwenig - ZickZack Sommerhits 81"-Sampler, Zick Zack ZZ45, 1981) / "Polaroid" / "Chicorée" / "Manntage" / "Der Wahn" ("Georg"-EP, Zick Zack ZZ34, 1981) (download)


Mutterfunk kamen dagegen aus Düsseldorf. Das Duo, bestehend aus Axel Grube und Albert Albertini hatte seinen ersten Auftritt unter dem Namen Motherfunker auf dem "Schallmauer-Sampler" mit 2 namenlosen Stücken. Danach erschien eine Mini-LP mit ziemlich gehetzter Musik, die bereits von "Mein Walkman Ist Kaputt" gewürdigt wurde, aber dort nicht mehr zu bekommen ist . Auch hier kamen danach keine weiteren Veröffentlichungen und ich vermute mal, dass Mutterfunk auch kaum live aufgetreten sind, wie hätten sie auch als Duo diese Musik auf die Bühne bringen können? Das Beiblatt zum Schallmauer-Sampler verrät übrigens, dass Albertini früher mal bei der Düsseldorfer Gruppe "Autofirma" spielte und danach "verschiedene Experimente mit Bändern" machte, was eigentlich damals eine Art Kainsmal in Punkerkreisen war.


"-ohne Titel-" / "-ohne Titel-" (vom "Schallmauer-Sampler", Schallmauer 001, 1980) / "Jodymadreradiotelegrafo" / "Jody Mutterfunk" / "Die Deutsche Scham" / "Komm wir gehen schwimmen" / "Schlimmer Tag für Ute" / "Schwimmen Teil 2" / "Tanz Marta" (Maxisingle, Schallmauer Schall 006, 1981) (download)

Hirnheimer findet ihr übrigens hier und zusammen würden die 3 Bands eine hübsche LP ergeben.

Summary: When I posted the Hirnheimer-single a few weeks ago I compared the band to Front and Mutterfunk, so I will give you their music too. Front were founded in 1980 in Hamburg by two former members f the punk band The Coroners and released 2 singles with with very minimal and funky music with some influences from british post punk. The drummer Ralf Hertwig became a member of Palais Schaumburg, replacing F.M.Einheit there. Mutterfunk came from Düsseldorf and their music is more hectic but has the same minimal funky approach - sorry, I'm not that good at labelling music.

PS: Manchmal haben mehrere Liebhaber die gleiche Idee: Front gibt es jetzt auch bei not-rock-on.

18.11.06

Volksschule Meterstrasse


Nein, kein weiteres Liebeslied auf Hannover, sondern 12 Minuten Kindergesang und Orff-Instrumente. Die Volksschule Meterstrasse liegt zwischen meiner Wohnung und dem Maschsee (genau, ein großer künstlicher See in der Mitte von Hannover, gleich hinter dem gigantischen Neuen Rathaus, und zusammen mit dem Stadtwald Eilenriede und den historischen Herrenhäuser Gärten die Eckpfosten von "Hannover, der Stadt im Grünen") an einer inzwischen verkehrsberuhigten Straße (woran ich Mitschuld bin) und ist soweit ich gehört habe auch Übungsstätte für hannöversche Chöre. Hannover ist ja eine Hochburg des Chorgesangs, was sicher auch an den vielen Studenten der Musikhochschule liegt, die ihre erlernten Fähigkeiten als Chorleiter gleich umsetzen wollen. In den 1970er Jahren waren die Schüler ja noch etwas disziplinierter als heute und ich vermute die Eltern hatten auch ein bisschen mehr Geld übrig, deshalb entstand 1972 zum Schulfest diese Single. Musikalisch eher im Bereich der Kinderlieder angesiedelt, aber wegen des Enthusiasmus der Kinder und des Geklopfes auf verschieden Perkussionsinstrumenten (vermutlich nach Orffscher Lehre angewendet) eigentlich nur liebenswert. Heute würden die Kinder wahrscheinlich rappen und Tokio Hotel nachtanzen.

Volksschule Meterstrasse "Schulfest 1972 (1. Teil)" / "Schulfest 1972 (2. Teil)"
Chorleitung und Einstudierung: H. Kohlenberg, Aufnahmeleitung: U. Dierks
Single, 1972, Studioton 671 346, TST 77 531
(download)

Summary: This is a nice single with children singing and making noises on various percussion instruments. I think it was recorded for the annual party at the local school. Although musically its just children songs it has its own charm. If you like The Langley Schools Project maybe you can dig this too.

Bild lügt (wie immer)


Die Geschichte hinter dieser Schlagzeile hat sich wohl inzwischen herumgesprochen: Klaus-Jürgen Menzel (66), soeben aus der NPD-Fraktion ausgeschlossenes Mitglied des sächsischen Landtags (er war auch mal Mitglied der Grünen und der ÖPD), hat gegenüber dem MDR erklärt: "Zum Führer stehe ich nach wie vor, da gibt es kein Vertun. Da hat sich nichts geändert, wie sollte ich." Nur so zum nachrechnen: wer heute 66 Jahre alt ist wurde somit im Jahr 1940 geboren und war bei Kriegsende 5 Jahre alt, also noch nicht mal Mitglied von Hitlerjugend (ab 14 Jahre) oder Jungvolk (ab 10 Jahre) (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend). Sein Bild vom Dritten Reich dürfte daher von tatsächlichen Erfahrungen kaum getrübt sein, sondern eher von den revisionistischen Lügen eines Thies Christophersen.

Ich glaube nicht, dass Menzel sich wirklich zu Führer bekennt, denn dann müsste er ja öffentlich den Völkermord an den Juden gut heißen - und den Mut hat ja bisher noch kein Neo-Nazi gefunden. Andererseits weiß natürlich jeder von ihnen, dass der Holocaust eine Realität ist, aber sich öffentlich dazu zu bekennen wäre politischer Selbstmord. Da betreibt mann lieber Bauernfängerei mit Doppeldeutigkeiten - die allerdings auch in die Hose gehen können. So habe ich die Aufregung über die NPD-Wortschöpfung “Bombenholocaust” anlässlich des Gedenkens der Bombardierung von Dresden nur teilweise verstanden. Zwischen der Bombardierung von Dresden und dem Holocaust bestehen eklatante Unterschied nicht nur von der Zahl der Opfer her, von der fehlenden rassistischen Qualität des Fliegerangriffs und so weiter. Andererseits kann mann nicht ein reales Geschehen mit etwas vergleichen, was aus Neonazi-Sicht nie geschehen ist, ja sogar eine Geschichtsfälschung sein soll. Die Verwendung des Wortes “Holocaust” in dem Kampfbegriffs “Bombenholocaust” beinhaltet nach meiner Sicht also zwangsläufig die Anerkennung des Holocaust als historische Realität - und damit bricht logischerweise das ganze revisionistische Kartenhaus in sich zusammen (Intern wissen die Neonazis natürlich alle, dass es den Holocaust gegeben hat, wie sonst hätte ein Gottfried Küssel sich einfach dabei filmen lassen, wie er Lieder singt, in denen er zum Mord an Juden auffordert. Das Leugnen des Holocaust soll nur zur Verniedlichung des Dritten Reichs und damit dem Täuschen potentieller Wähler dienen, dass bei einer erneuten Machtergreifung “es schon nicht so schlimm wird”, höhö.). Vorausgesetzt, die braunen Arschgesichter wären zu logischem Denken in der Lage, bleibt ihnen nur noch eines zu klären: finden sie die “Ausrottung des jüdischen Krebsgeschwürs” gut oder schlecht? Wer das gut findet muss sich nicht wundern im nächsten Moment von anständigen Deutschen gelyncht zu werden. Bleibt also nur der Verrat am Vorbild Hitler. Ich nehme mal an dass im Zweifel Herr Menzel sich gegen Hitler und für sein eigenes Leben entscheiden wird. Insoweit dürfte dann seine Aussage, er stände zu Hitler, offenkundig für alle als Lüge erweisen.

16.11.06

Heinz Müller und Richard Leonhardt


Teil 2 der Liebeslieder auf Hannover und die Kehrseite dieses Genres: manche dieser Lieder erzählen Geschichten, die mit Orten verbunden sind wie z.B. das wunderbare "Oh St. Pauli" von Bernd Begemann, dessen wunderbare Live-Aufnahme ihr hier finden könnt, auch "Bochum" von Herbert Grönemeyer ist ein positives Beispiel. Andere dagegen sind einfach nur gewollt und gehen deshalb in die Hose. So wie diese Single von Heinz Müller und Richard Leonhardt, die bizarrerweise auch noch vom "Congress-Hotel Am Stadtpark" präsentiert wird. Auf der Single-Hülle preisen sich die Interpreten selbst an als "Seepferdchengewinner 1980 mit dem Schlager: "Ich laß mich doch nicht scheiden"" (so der Orgelspieler und Humorist Richard Leonhardt), bzw. als "Seepferdchengewinner 1980 mit dem Schlager: "Ich laß mich doch nicht scheiden", 1983 erneut ausgezeichnet mit dem Schlager: "Nun geht es los", 1984 Gewinner der "Goldenen Stimmgabel" mit dem Schlager: "Das hätt' ich nie gedacht"" (so der Stimmungssänger Heinz Müller). Wenn der pathetische Gesang dieser Single der Maßstab für die Beiträge zu diesen merkwürdigen Schlagwettbewerben namens "Seepferdchen" und "Goldene Stimmgabel" ist, dann möchte ich keinen anderen der dortigen Gewinner kennen lernen. Der Text dieses Machwerks stammt übrigens von dem Versicherungskaufmann Wolfgang Leonhardt. Eine Verwandtschaft zu Richard Leonhardt liegt nahe.

Heinz Müller und Richard Leonhardt "Die Stadt an der Leine" (Komponist und Texter: Wolfgang Leonhardt) / "Altstadt-Ballade" (Komponist und Texter: Wolfgang Leonhardt)
Gesang: Heinz Müller, Bass: Christoph Sadlon, Orgel: Richard Leonhardt, Schlagzeug: Alfred Rieker, Gitarre: Horst Schmidt
Single "Congress-Hotel Am Stadtpark präsentiert", 1984(?). Phantasia Records 647484
(download)

Summary: This single also expresses pride for Hannover, but were Heinz Eckner is funny and passionate Heinz Müller and Richard Leonhardt are stiff and pathetic. If you understand German language this could be something for your next bad taste party.

14.11.06

Heinz Eckner und die Hannoversche Blasmusik


Der Kölner liebt bekanntermaßen seine Stadt ganz doll und drückt das in vielen Liedern aus. Der Hannoveraner dagegen hat einen eklatanten Mangel an Lokalpatriotismus. Er ist zwar ziemlich beleidigt, wenn Harald Schmidt mal wieder Witze über seine Stadt macht, aber aufstehen und ein Loblied auf Hannover zu singen, das schafft er nicht. Es gibt ja auch nicht so viele offensichtliche Gründe, schließlich wurde die Innenstadt im zweiten Weltkrieg ziemlich pulverisiert und danach autogerecht wieder aufgebaut. Das Königreich Hannover wurde trotz zeitweiser Personalunion mit England von den Preußen okkupiert und die Nachkommen der Welfen fallen eher dadurch auf, dass sie ihre Kunstschätze außer Landes schmuggeln und dort zu Geld machen, Journalisten mit Schirmen verprügeln und öffentlich urinieren. Dass Hannover die Heimat von Emil Berliner, dem Erfinder der Schallpatte ist, interessiert zu Zeiten von MP3 eh keine Sau. Die Scorpions allerdings kommen nicht aus Hannover, sondern aus dem Vorort Sarstedt, da legen sowohl Hannoveraner als auch Sarstedter Wert drauf. Was bleibt dann noch von Hannover übrig? Richtig, das Schützenfest mit fast 500jähriger Tradition und die Lütje Lage, und auf beides singt Heinz Eckner ein schmissiges Loblied auf dieser Single, deren Veröffentlichungsjahr mir leider nicht bekannt ist.

Heinz Eckner und die Hannoversche Blasmusik "In Hannover trink man 'Lüttje Lagen'" (Eckner) / "In Hannover an der Leine" (Döpke - Eckner)
Produktion: Studio Hannover
Single, ohne Jahr, Rena Schallplatten RE/E 101, T 75 395
(download)

Summary: This single is very untypical for Hannover. Okay, it’s typical brass music, but it’s a song about the famous alcoholic tradition called "Lütje Lage" were you are drinking beer and drinks from two up to six glasses at the same time. This song expresses pride for Hannover and its traditions, something which people from Hannover usually never do and therefore stupidly confirm the prejudice that Hannover is a boring and dull town.

Update 30.8.2011: Habe bei Ebay eine Abbildung des Covers gefunden!

12.11.06

Gitarrenarmee


Heute mal etwas Promotion für ein Label und eine Band: Die guten Leute von WM Recordings waren so nett, einen Internet-Release von der Gitarrenarmee zu besorgen, nämlich "Composing after Playing". Hier der Werbetext:

"Die Gitarrenarmee steht nicht für Militarismus, nicht einmal für Disziplin. Das Ensemble ist ein freier Zusammenschluss, der mehr in den Köpfen der vier Musiker existiert als in der realen Musiklandschaft. Der Begriff Armee wird konterkariert, denn es handelt sich nicht um ein "fest stehendes Heer", sondern ein Quartett von sehr unterschiedlichen Charakteren mit sehr unterschiedlichen Ideen. Kein Stück ähnelt dem anderen, kein Live-Programm wird zweimal zur Aufführung gebracht. Den ersten Höhepunkt bildet die "Raum-Klang-Installation", die 1990 in Leipzig aufgeführt wird. Das Erlebnis ist ein flüchtiges - mit dem Verklingen des letzten Tones ist das Konzept Geschichte und lebt nur in den Köpfen der damals anwesenden Zuhörer weiter, ebenso wie die Staatsform DDR selbst.

Als Darjush Davar die fertige Musik zum ersten Mal hört, bestreitet er, dass die Gitarrenarmee bestimmet Passagen gespielt habe. In der Tat ist "Composing After Playing" ein Computerprodukt. Aus einer zweitägigen Aufnahmesession extrahiert Christoph Abée sehr unterschiedliche Passagen, die in ihrer Inspirations-Spanne von Robert Fripps "Crafty Guitarists" bis zu Neil Youngs "Dead Man" reichen. Hören, Selektieren und Montieren führen dazu, dass eine stark komprimierte Klangwelt entsteht, die so weder vor dem Spielen komponiert noch von vier Gitarren überhaupt performt werden kann. Kombiniert werden zwei Arbeitsweisen, die üblicherweise zumeist Berührungsängste haben: das Samplen und Remixen der elektronischen Musik und das freie Fließen aus Jazz, Fusion und Psychedelic. Das Ergebnis ähnelt etwas einem "Memory-Spiel". Mit dem entscheidenden Unterschied, dass hier die einzelnen Motive und deren Paarungen nicht eindeutig sind. Bei "Composing After Playing" entfaltet und verändert jedes Motiv seinen Charakter mit jedem neuen Motiv, mit dem es kombiniert wird. Hin und wieder taucht scheinbar Bekanntes wieder auf, verändert sich durch seinen neuen Kontext und wird durch gänzlich andere Motive abgelöst.

"Composing After Playing" will dennoch einfach nur Musik sein, die ohne intellektuellen Hintergrund oder das Wissen des Hörers um ihre Entstehung funktioniert. In diesem Sinne wünscht die Gitarrenarmee viel Spaß bei Hören eines Werkes, dass sie so niemals hätte komponieren oder spielen können."

http://www.wmrecordings.com/releases/wm051.htm - und bitte Kommentare hinterlassen!

Summary: Gitarrenarmee is a band with 4 guitar players and they just released their first EP through WM recordings:

"The "Gitarrenarmee" (guitar army) does not stand for militarism, not even for discipline. The ensemble is a free union, which exists more in the heads of the four musicians than in the real music landscape. The term army becomes contradicted with the fact, that it is not a "firmly standing army", but a quartet made up of very different characters with very different ideas. No musical piece resembles an other, no live-set is performed twice. The "Raum-Klang-Installation" (three-dimensional sound installation), which happened in Leipzig in 1990, forms the first high point. The experience is a volatile - with the fading of the last sound the concept is history and continues to live only in the heads of the then present listeners, just as the governmental system of the GDR.

When Darjush Davar listens to the finished music for the first time, he denies that the Gitarrenarmee played certain passages. Indeed "Composing after Playing" is a computer product. From a two-day-recording-session Christoph Abée extracts very different passages, which in their inspiration span from Robert Fripps "Crafty Guitarists" up to Neil Youngs "Dead Man". Listening, cutting and pasting make up for a strongly compressed sound world, which could have neither be composed before playing nor be performed at all by four guitars at once. Two concepts of working, which usually fear to get in contact with each other, are combined: sampling and remixing from the world of electronic music with the free flow from jazz, fusion and psychedelic. The result resembles something a "Memory play" - with the crucial difference that the individual motives and their mating are not made clear. Each motive from "Composing after Playing" unfolds and changes its character when combined with the next motive. Now and then apparently well-known motives emerge again, get changed within the new context and will be replaced by completely different motives.

"Composing after Playing" nevertheless simply wants to be just music, which functions without intellectual background or the knowledge of the listener around its emergence. In this sense the guitar army wishes much fun when hearing a musical work that the four musicians would have never been able to compose or to play."

http://www.wmrecordings.com/releases/wm051.htm - please leave a comment after downloading!

10.11.06

Niedersachsen - Mein Lieblingsland


Manche Sachen sind einfach so doof, dass sie schon wieder gut sind. Andere sind einfach nur doof. Wo dieser Song liegt weiß ich noch nicht. Die Geschichte dahinter ist, dass Utz Claasen, geboren in Hannover, in der 90er Jahren mal Chef bei Hannover 96, heute Chef bei dem Strom-Konzern EnBW und in staatsanwaltliche Ermittlungen wegen Geschenken an Mitarbeiter von Stuttgarter Ministerien verwickelt, die Werbemusikfirma Coastland beauftragt hat, dem Land Niedersachen zum 60. Geburtstag eine neue Hymne zu schreiben. Diese Dreistigkeit ist in Zeiten, wo Industrielobbyisten bereits Büros in Berliner Ministerien benutzen dürfen und an Gesetzentwürfen mitschreiben, nicht wirklich verwunderlich. Okay, das alte Niedersachsenlied ist etwas blutrünstig, aber das neue hat eigentlich nichts mit Niedersachsen zu tun. Zu hören ist netter Pop, der auch von Juli stammen könnte, dazu ein optimistischer Text mit 2 Zeilen über Niedersachen. Würde man diese austauschen wäre der Song auch mit jedem anderen Thema kompatibel. Aber vielleicht ist der Song ja auch ein Fingerzeig, dass entweder Niedersachsen eh keine Identität hat (eher haben die einzelnen Regionen eine eigene Identität, und die Schaumburger leisten sich ja sogar eine eigene Landeskirche mit Bischof), oder dass das Land Niedersachsen wie eigentlich alle deutschen Bundesländer, bzw. deren Parlamente und Ministerpräsidenten überflüssig wie ein Kropf ist. Aber hört selbst.

Summary: Lower Saxony just turned 60 and so EnBW payed for a new national anthem. To me it sounds like pop music and the lyrics really have no connection to Lower Saxony except mentioning its name and the North Sea. So it could be a new anthem for Denmark too, or The Netherlands, or Norway, or ... or ... or ... - or just a symbol, that national borders in Europe are just a waste of time and not compatible with modern capitalism?

8.11.06

Berlin


Hier sind 2 Dateien, nach denen in anderen Blogs gefragt wurde. Im "Good Bad Music For Bad, Bad Times!"-Blog wurde nach dem "KZ 36"-Sampler gefragt, einer Live-LP mit 2 Berliner und 2 Hannoveraner Punk-Bands von 1980. Aufgenommen im Berliner Anarcho-Punk-Laden KZ 36, dem Gegenentwurf zum "Kommerz-Laden" S.O. 36, u.a. mitorganisiert von Andreas Heske, dem Sänger der Betoncombo, sowie einem gewissen Karl Walterbach, der später das erfolgreiche Punk-Label Aggressive Rockproduktionen aufbaute.
Ätztussis waren ein Berliner Frauenquartett, die zu der derben Polit-Szene um Katapult und das Fronttheater herum gehörte. Vor ein paar Jahres erschien noch eine LP von ihnen in Kleinstauflage mit weiteren Live-Aufnahmen. Die Betoncombo aus Berlin dürfte in der deutschen Punk-Szene wesentlich bekannter sein und kann es von der Radikalität her mit jeder Hamburger Band aufnehmen. Blitzkrieg waren das Flagschiff der Gossenszene aus Hannover. Lost & Found Records brachte in der 80er Jahren eine CD mit ihren verstreuten Aufnahmen und viel unveröffentlichtem Kram heraus, als aus der Band längst die bekannteren, aber ebenso eigenwilligen Boskops entstanden waren. Die Kondensators schließlich haben nie irgendwo was anderes veröffentlicht, sind auch die schlechteste Band der Platte, aber immerhin spielte hier Konrad Kittner (R.I.P.) Bass.

KZ 36 live
"1.Mai live" / Ätztussis "Bullen" / "Linker Spießer" / "Mollies und Steine" / "Liebeslied" / Blitzkrieg "Ohne Zukunft" / "Superkühl" / "Eure Zeitung" / "Freies Land" / "Weg mit den Bullen" / Betoncombo "Gropiusstadt-Endlosfuck" / "Nazis Raus" / "Eltern" / "Einigkeit" / "Kreuzberg" / Kondensators "Maloche" / "Ab ins Beerhouse, 1,2,3" / "Verpiss dich, Du nervst mich"
(LP, ohne Label, 1980)
(download)

Im "Not Rock On"-Blog fragte jemand nach Din-A-Testbild, was interessant ist, weil diese Band zu der genau gleichen Zeit wie die Bands vom KZ 36-Sampler in der Punk-Szene auftauchte, allerdings musikalisch das genaue Gegenteil war, nämlich eine wilde dilettantische Lärmorgie. Hier ist eine Zusammenstellung ihrer frühen Aufnahmen:

1. Roboter (S.O.36 Berlin, 13.8.1978) von der LP "S.O.36 13. August 1978", erschienen 1979 auf Ignition Records, organisiert waren Festival und LP von Knut Schaller von PVC und bezahlt hat die Platte der Künstler Martin Kippenberger, beide schon lange tot. Das Cover bestand aus den Stahlplatten, die aus dem Tanzboden des S.O.36 herausgerissen waren.
Betr.: Schallplatte S.O.36
Dieser Posten mit inhalt soll eines der besten Beispiel der ziellosen Zeit sein. Wo Musik nicht Musik bedeutet, sondern Inhaltslosigkeitsbemühungen Trumpf waren. Forsche Tätigkeiten in der Freizeit wurden ermöglicht durch Werktätige und Arbeitslose aus dem öffentlichen Dienst.
Der Inhalt schlechthin erinnert an eine Schallplatte. Nur Jene die in den leeren Genuß, des von ersichtlich gutaussehenden Junkern zu groß gestaltetem Kinderzimmer im Stadtteil S.O.36 gekommen sind, werden wissen, das dies ein Abprodukt des Veranschaulichungskursklunb war.
Das S.O.36 wurde 1979 geschlossen.
Schade? Nein! Die Zeit lehrt uns, daß es sich nicht nur um Stunden und Tage handelt, sondern Jahre vorzubereiten gilt.
Eines wissen wir: Früher war alles verboten, heute alles erlaubt. Was hat das für uns zu bedeuten, was können wir daraus lernen? Wir lassen nicht jedes vorprogrammierte Zeichen der Zeit über uns kommen, sondern machen Scheiße. Am besten gar nichts.



2. Hiroshima (Markthalle Hamburg, 29.6.1979) von der LP "In die Zukunft - Live", erschienen 1980 auf Konnekschen Schallplatten, zusammengestellt von Alfred Hilsberg, herausgegeben vom auch schon lange verstorbenen Robert Nitz.
Für die experimentellen Bands hatte dagegen das Pogopublikum überhaupt keinen Nerv und griff zu Bierdosen und Flaschen. Materialschlacht, die zusammen mit Din A Testbild musikalisch weiteste Band, hatte darunter zu leiden. (Aus SOUNDS 8/79)
Zu diesem Zeitpunkt war Gudrun Gut (Mania D., Malaria etc.) noch Mitglied der Band.


3. Glas konkav
4. Abfall/Garbage
Die erste (und einzige?) Single von Din A Testbild, 1979 im Selbstverlag herausgekommen:
COME OVER IT'S TIME 1979 80 DIN A TESTBILD LOVES YOU
aufgenommen in Berlin 11.10.1979;
abgemischt in Berlin, 17.10.1979.
Dank an Dr. Wolfgang Heinze!
Eine Produktion von Bürgerlich Productions, Berlin.
Auflage: 1000 Stück.
Nutty Normann bass, git, voc
Ian Wright synthesizers
Marc Eins voc, git, bass
Ralf Z.
(Zimmermann) drums
Jürgen Rommeis
(a.k.a Genee Romee) git, voc
Frank v.d.B.
(von der Beek)> git, synthi
DIN = Abkürzg. f. Deutsche Industrie-Norm
A = erster Buchstabe d. Alphabets; Klassifizierzungskennz. industrieller Produkte
TEST = Prüfverfahren; i. d. Psychologie z. Feststellung von Kenntnissen, Fähigkeiten, Antrieben, Gefühlen
BILD = die Darstellung von Dingen auf einer Fläche; die Gesamtheit v. Lichtpunkten, die durch die Vereinigung von Strahlen entsteht, welche von den Punkten eines Gegenstandes durch ein System v. Linsen u. Spiegeln gehen.
Gedanken speichern sich in unseren Zellen als genetische Information. Ein spiralenförmiger Abdruck chemoelektrischer Umwandlungen im Nervensystem des Gehirns.
Elektronengehirne arbeiten sich Zug um Zug an die Weltspitze der Schachspieler heran. Industrieroboter - die Helden der Arbeiterklasse.
Mein Name ist eine Nummer ein Stück auf einem Plastikfilm. Ich bin die Stimme, die zu dir spricht. Hiroschima - wie schön es war.
Hiroshima. Hiroshima. Tokio!
Sex, Drogen, Millionen, TV
Überall ist Abfall.
1979 - und nichts ist okay.
But the map is not the territory and the word is not the thging itself. It is the totally of such identifications that create the neurotic and the insane induividual.
Realität - das ist die Anerkennung unseres Wahnsinnszustands. Keinen Schmerz mehr empfinden. Denn wir wollen testen.
Berlin, kurz von 1980.
Information in the English language.
Glas konkav - Concave Glass
Abfall - Garbage
Recorded in Berlin 11.10.1979
Mixed in Berlin 17.10.1979
Mixing concept Dr. Wolfgang Heinze
Produced by Bürgerlich Productions, Berlin.
Pressung of 1000 copies.
DIN = Deutsche Industrie Norm, German equivalent of British Standards Institute.
A = first letter of the alphabet.
TESTBILD = test picture.
Ian Wright's hair by SICK BOY
Marc Eins FIRTS LIGHT to the 4th dimension.
WINTER AND SUMMER
THE UNCLES
PUBLIC DEATH, PRIVATE MURDER

Zur Veröffentlichung der Single soll die Band auch in Hannover aufgetreten sein ….?


5. Die Siebziger
6. DNS Of Time
7. No Repeat
8. Urwald-Liebe
9. Age Is A State Of Mind
10. She's So Nice
Diese 6 Titel stammen von der Maxi-Single oder auch Mini-LP "Programm 1", erschienen 1980 auf der Klaus Schulze-Label Innovative Communication.
Vocals and Lyrics by Marc Eins
All music comp. & played by Genee Romee
Recorded at -IC- Studio, Winsen/Aller, September 1980.
Produced by Klaus Schulze and K D Mueller
Mixing by Klaus Schulze at his studio.
Dies ist meine zweite Erfahrung mit "New Wave" (die andere siehe IDEAL, KS 80.004). Aus dem 6-Mann-Chaos der frühen DIN A TESTBILD wurde bei Beginn der vorliegenden Aufnahmen ein gesundes und arbeitswütiges Duo.
Als ich zuerst von DIN A TESTBILD hörte, vernahm ich frische und neue Ideen, die durch das Chaos an Geräuschen klangen. Wir haben versucht, diese Frische und diese Ideen ohne den Müll drumherum herauszukristallisieren. Für mich war das eine neue Erfahrung, für die beiden jungen Musiker ebenfalls (?).
Übrigens kommt DIN A TESTBILD aus Berlin, genau wie ich. Und war in den 70er Jahren Berlin die Wiege der inzwischen weltberühmten deutschen Elektroniker, so hat es den Anschein, als würden die 80er etwas ähnliches für die neuen Musiker aus Berlin.
Klaus Schulze, Sept. '80



Der Review von Alfred Hilsberg aus SoundS 12/80 fast den Unterschied zwischen den ersten 4 Aufnahmen und der Mini-LP perfekt zusammen und ist so treffend, dass ich dem nichts hinzufügen möchte: "Es gab einmal eine Gruppe aus Berlin; sie machte, zu sechst, ganz experimentell, wild klingende, teils elektronische Geräusche. Sie hieß Din A Testbild. Mir liegt hier eine Platte vor mit dem gleichen Gruppennamen. Aber dieses perfekte, glatte Produkt hat mit den frühen Geräuschen nichts mehr zu tun. Klaus Schulze hat produziert, und so ist die Eigenständigkeit einem technisch hochstehendem, internationalen Sound-Standard gewichen. Nichts daran ist aufregend, lustig, fremd, schwer... Der Titel der Platte sagt alles: Programm 1. Von den frühreren Testbildern sind zwei übrig: Marc Eins und Genee Romee. Mit ist unverständlich, wie die beiden und die Ex-Mitglieder sich einen Cover-Text wie folgt gefallen lassen: ‚Aus dem 6-Mann-Chaos der frühen Din A Testbild wurde bei Beginn der vorliegenden Aufnahmen ein gesundes und arbeitswütiges Duo...vernahm ich frische und neue Ideen, ohne den Müll drumherum herauszukristallisieren...' Gezeichnet Klaus Schulze. K.S. rein, Chaos raus. Das wär's."
Zur Din A Testbild Discografie
(download)

Summary: Here are 2 files from records from Berlin from 1979 and 1980. First is the "KZ36"-LP, which is a live recording with 4 bands, the all female Ätztussis and Betoncombo from Berlin and Blitzkrieg and Kondensators from Hannover. This is classic angry and politically left-wing punk, not punk rock. Remember, these were the times when Berlin was surrounded by The Wall and Berlin was a magnet for all kinds of drop-outs from West Germany, like David Bowie and Iggy Pop. Marc Eins was a waiter serving tea for both of them and forming the band Din A Testbild together with Gudrun Gut, who later became notorious with Mania D and Malaria. I put together all the stuff I know from the early incarnations of Din A Testbild and they are pretty diverse. The first 2 tracks are live recording from 1978 and 1979, then there are the 2 tracks from their one and only 7"-release. These tracks demonstrate the wild experimental sound of the original band. Soon after the single the band was reduced to a duo and produced by Klaus Schulze (ex-Tangerine Dream), who was definitely one of the most hated boring old farts. And the record "Program 1" shows why: its pretty dull and uninspired sequenzer stuff. Like Schulze described it in the liner notes: "When I first heard Din A Testbild I noticed new and fresh ideas coming through a chaos of noises. We tried to seperate the new ideas and the freshness from the surrounding garbage." Which was a BIG mistake, because the garbage of sound was the main achievement of the band. And that is the connection with the bands from the KZ36-LP.

6.11.06

Tribute to Orang Aural

squeezorang macht seinen Orang Aural-Blog dicht, daher als Dankeschön ein paar musikalische Spezialitäten:


This Heat "Pool" vom der Doppel-LP "Recommended Record Sampler Double LP - New Music from" von 1982. "Pool" ist nach meiner Kenntnis auf keiner anderen This Heat-Platte zu finden. Auf dem Cover der Doppel-LP werden 4 Platten in der Diskografie von This Heat aufgezählt, darunter eine Single namens "Greenfingers" - ist die je erschienen? Ich weiß, daß es "Greenfingers" von Camberwell Now gibt. Eine Diskografie von This Heat findet ihr hier.


The Red Crayola With Art & Language "Rattenmensch Gewichtswächter" / "Zukunftsflieger"
Dies ist eine Single, die 1981 bei Konkurrenz Schallplatten/Phonogram in Deutschland erschienen, laut Cover lizenziert von Rough Trade, produziert von Adam Kidron + The Red Crayola und die deutsche Übersetzung des Textes stammt von M. MyLing. Leider ist mein Exemplar etwas kratzig. Es soll auch eine unveröffentlichte englische Version dieser Single geben ("ratman the ratcatcher"/"days of future pilots"), war angeblich als RT078 geplant. Ob die gleichen Versionen auch auf der "Singles"-CD sind entzieht sich meiner Kenntnis...

RATTENMENSCH GEWICHTSWÄCHTER
Rattenmensch muß sein 'dick' verlieren
Rattenmensch der Gewichtswächter
'dick' Wächter
Rattenmensch ißt zwei Mahlzeiten
Rattenmensch der Vollgefressene
'dick' Erwerber
Rattenmensches Vetter Richard:
Rattenmensch, Dick und Sie
Dick und Sie
Richard ist Rattenmensches 'dick'
Richard ist der dicke Mann
Großer Liebhaber
Rattenmensches dick' ist Richard
Rattenmensch der Dick Wächter
Gewichtswächter
Rattenmensches 'dick' ist sein Fett
Rattenmensch hat einen Liebhaber
Geheimliebhaber
Rattenmensch weiß - Sie mag Dick
Dick ist kein Gewichtswächter
Vollgefressener
Rattenmensch ist der Gewichtswächter
Rattenmensch muß sein 'dick' verlieren
Dick Wächter
Rattenmensch der Gewichtswächter
Rattenmensch muß sein 'dick' verlieren
Dick Wächter



ZUKUNFTSFLIEGER
Das Meer funkelt im Sonnenlicht
Drei gebräunte Knaben in Furcht und Entzücken
Völlig gefesselt von einem Bomber im Flug
Staunen in die Luft
Hingerissen vom Anblick
Dies sind Zukunftsflieger
Sie werden nie sterben
Dies sind Zukunftsflieger
Sie werden eines Tages fliegen
Dies sind Zukunftsflieger
Sie werden eines Tages fliegen
In einer Überschallmaschine
Weit in die Luft hinein
Dies sind Zukunftsflieger
die werden immer versuchen
Ihren Traum wahr zu machen
Zum Steil- und Sturzflug zu fliegen
Sie haben alle die Erscheinung
Sie werden eines Tages fliegen
Sie sind alle koordiniert
Sie werden nie sterben
Sie sind alle Leute die aufwachsen
Sie werden eines Tages fliegen
Sie werden Technologie beherrschen
Sie werden nie sterben
Dies sind Zukunftsflieger
Sie werden eines Tages fliegen
In einer Überschallmaschine
Und sich nie wundern wie, weshalb, warum
Dies sind Zukunftsflieger
Sie werden eines Tages fliegen
Dies sind Zukunftsflieger
Sie werden weiße Streifen ziehen in der Luft



Wie auch andere Städte in Deutschland hat die Stadt Langenhagen (im Norden von Hannover) 1976 eine Schallplatte herausgebracht, vermutlich als Geschenk für Gäste der Stadt oder auch zur Werbung bei Unternehmen zur Ansiedlung ihrer Betriebe in Langenhagen. Meistens sind auf diesen Platten nur Chöre und Blasmusik zu hören, zumindest in Niedersachen, aber die LP "Musik in Langenhagen" spannt den Bogen etwas weiter: von Blasmusik (der unvermeidliche Ernst Müller) über Männerchor und Musikschul-Ensembles geht es zur - schon anspruchsvoller - Interpretation alter und geistlicher Musik und endet - unglaublich - bei Free Jazz! Hier kommt das Christmann-Schönenberg-Duo vom "New Jazz Workshop Langenhagen" mit der Improvisation "Tanka". Update: "Tanka" ist auch unter Hohe Ufer Konzerte zu finden.

Kommentare sind sehr erwünscht!


Summary: As the Orang Aural-Blog is closing down I'm offering as a "Thank You" some weird stuff like a rare track from This Heat: "Pool" from the "Recommended Record Sampler Double LP - New Music from" double album from 1982 - by the way: the cover mentions a single release from This Heat entitled "Greenfingers". Has anybody ever seen it?
Next is a 7" by The Red Crayola, released in 1981 through Konkurrenz Schallplatten in Germany and entirely sung in german language, although the name of the translator is M. MyLing, which doesn't sound german at all.
Finally from an album from 1976 entitled "Musik in Langenhagen" comes a Free Jazz track called "Tanka" by the Christmann-Schönenberg-Duo. You might be interested to know, that this bizarre album was probably released by the town of Langenhagen (north of Hannover) as a present for guests of the city or as a promotional gift for companies interested in building factories in Langenhagen and that the other tracks range from brass music and local choirs up to classical music.
I would be happy to receive any comments about these tracks.

4.11.06

Aufräumen

In den letzten Wochen haben sich eine paar kleine Ideen angesammelt, die nicht so recht ein ganzes Posting ergeben wollen, weil ich nicht sonderlich viele Worte über sie verlieren kann.


Da wäre zum einen diese Single "Original Steinhuder Fischerlieder" von Walter Wulf (Gesang) und Hans Christian Schweer (Bearbeitung und Begleitung) mit dem Lied "Mein Schatz ist eine Fischerin", die zunächst nur langweilig war, weil kein Shanty-Chor, sondern nur eine einzelne Stimme mit Akkordeon-Begleitung. Beim zweiten Hören fiel mir dann aber dieser *** Text auf, und ich hoffe, dieses Zitat gibt nicht zuviel von der bizarren Mischung aus Text und Interpretation preis: "Nun sind wir schon, nun sind wir schon ein älteres Paar, dann wird es ja, dann wird es ja mit der Liebe schon rar, fragt meine liebe kleine Frau, sie weiß es ganz genau, dass ich auch als älterer Mann, noch schaukeln kann".


Ebenfalls Akkordeon spielt Andreas Rebers, der am 5. Oktober in der Sendung Scheibenwischer (ARD) mit seinem Volksmusikhit "Selbstmordattentäter" zu begeistern wusste. In die Zip-Datei habe ich noch die Motive zu den von ihm erwähnten T-Shits gepackt.


Schließlich noch den schöne Stück "Dupscheck" von Otto Waalkes LP "Das Wort zum Montag" von 1977, eine wunderschöne Spielerei mit den Namen damals bekannter Politiker. Leider habe ich seine spätere "künstlerische" Karriere nur oberflächlich verfolgt, weiß also nicht, ob er je wieder solch ein Kleinod produziert hat. Vielleicht kann mir jemand einen Tipp geben?



Summary: Here are some files, that might only be interesting for german speaking people, like this naughty shanty by Walter Wulf and Hans Christian Schweer (accordion), like the sketch "Suicide bomber" by Andreas Rebers which mixes german Volksmusik with political jokes about Islamic terrorists, and like this little ditty "Dupscheck" by legendary german comedian Otto Waalkes...

2.11.06

Straßenkunst


Hannover war mal eine ziemlich progressive Stadt, zu der Zeit als auch die SPD noch fortschrittlich war - oder die Wähler ihr das noch glaubten. In den 70er Jahren gab es in Hannover das Projekt "Straßenkunst" mit im öffentlichen Raum aufgestellten moderne Plastiken. Am Anfang gab es einen ziemlichen Aufruhr wie z.B. über die Nanas. Heute lieben alle Hannoveraner diese Plastiken, spenden Geld zur Restaurierung und die SPD Hannover hat sie sogar in ihr Logo aufgenommen.


Dagegen ist das Projekt "Straßenkunst" selbst fast vergessen und Versuche, es neu aufleben zu lassen gehen auch prompt in die Hose. Der sogenannte "Aegidienwald" entpuppt sich bei genauerer Betrachtung m.E. nur als postmoderner Schrott. 28 Fahnenstangen mit Windbeuteln sollen offenbar einen Birkenwald darstellen, vielleicht auch das Fehlen der Natur in der Stadt thematisieren, sehen aber nur wie mit Dalmatinermuster und schlechter Camouflage bemalte Windhosen aus und regen weder auf noch geben sie Denkanstöße. Schließlich unterscheiden sie sich kaum von dem Rest der postmodernen Fassaden in der Umgebung und Bäume fehlen auch nicht im Stadtbild von Hannover. Kein Witz, keine Provokation, kein Verfremdungseffekt - aber vielleicht ist es ja ein Statement darüber, dass es dem Künstler von heute kaum noch möglich ist, außerhalb der Gesellschaft zu stehen ohne gleich wie Jonathan Meese zu enden und alle Kunst, die gezeigt wird, zum Kotzen zu finden.


Summary: Some thoughts about art objects outside museums and art galleries, especially in Hannover ...