16.8.09

Toto Lotto (extended)


Eine frühe deutsche New Wave/Punk-Independent-Single, die auf ein manchmal unterschätztes Element in der ndW hinweist: Jazz-Rock. Die neue deutsche Welle war für viele ältere Musiker auch eine Möglichkeit, aus dem eher rigorosen Jazz-Rock-Klischees auszubrechen und sich eine neues Publikum zu erschließen. Wenn man genauer hinhört entdeckt man bei vielen ndw-Produktion doch eine hohe instrumentale Virtuosität der Musiker. Nicht immer klingt das Saxophon wie eine Nebelhorn weil der Benutzer sich gerade eine James Chance-LP gekauft hat und denkt jetzt kann ich auch so was machen (nichts gegen James Chance). So manche ndW-Platte wird mir durch schlechte Saxophonisten vergällt. Aber während die meisten ehemaligen Jazz-Rocker sich eher in New Wave-Pfaden bewegen stürzen sich Toto Lotto auf die Ausdrucksmöglichkeiten von Punk, was besonders deutlich wird bei "Toto Lotto", eines meines Lieblingsstücke. Diese Energie! Auch die anderen beiden Stücke haben einen hohen Energiepegel, gehen aber eher in RIO-Richtung. RIO steht für Rock in Opposition und umfasst Gruppen wie Henry Cow, Etron Fou Leloublan und etliche andere, die Mitte der 70er Jahre bis Mitte der 80er Jahre musikalische Virtuosität mit Kapitalismuskritik verbanden und zu neuen musikalischen Ausdrucksweisen verbanden, oft anstrengend, oft fordernd, oft verblüffend, gerne auch als Avantgarde bezeichnet. Christoph Anders spielte später mit Heiner Goebbels, Alfred Harth und Chris Cutler bei Cassiber, die wie viele andere RIO-Gruppen im Sunrise-Studio in Kirchberg in der Schweiz bei Etienne Connod aufnahmen. Viele RIO-Gruppen wurden über Recommended Records vertrieben.
Es gibt übrigens die Theorie, dass Toto Lotto schuld daran sind, dass die "echten" Frankfurter Punks dann solche stumpfen Gruppen wie Der Durstige Mann und Die Böhsen Onkelz hervorbrachten - in Abgrenzung zu den Frankfurter Hippies wie Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit, die ihnen die intelligenteren Ausdrucksweisen von Punk weggenommen hatten. Könnte was dran sein, denn die Kontaktadresse von Toto Lotto lautet ja "Traumladen".

Extended version: Auf Wunsch von shefferson habe ich die Single neu gerippt und um die Aufnahmen von der Schau Hör Main Herz Ist Rhein-Compilation und der Ohne Gewähr-MC (beide von 1981 mit Studioaufnahmen von 1980, sowie Live-Aufnahmen vom Free-Jazz-Festival in Hofheim vom 18.1.81, dem Batschkapp vom 3.7.81 und der Steinbruchwerkstadt vom 2.7.81) ergänzt, die ursprünglich von mutant sounds gepostet wurden. Alles zusammen ergibt eine runde 79-Minuten-CD dieser grandiosen Kapelle, die sich leider 1982 aufgelöst hat.

Toto Lotto
"White walls" // "Cut a slice" / "Toto Lotto"
Single, ohne Label, ohne Jahr
Christoph Anders: voc, sax / Hans-U. Dietzel: rythmgit / Rüdiger Jestel: sologit / Walter Kranl: bass u. Cover / Bernhard Wicke: drums / Produktion: Toto Lotto
Photo by Selbstauslöser / Contact Toto Lotto c/o Traumladen Kettenhofweg 66 6 FFM.1
(download)

Toto Lotto extended download version:
Single 1979: White walls/Cut a slice/Toto Lotto + Schau Hör Main Herz Ist Rhein-Compilation 1981: Verkauf Deine Braut/Ohne Worte + Ohne Gewähr MC 1981: The closet/Neurocil langsam/Grüneburgpark/Aber/Ohne Worte/Anna Blume/Toto Lotto/Fleischlos/Woke up/Verkauf Deine Braut/Oh, Du blöde Sau/Tristan + Isolde/Woke up/White walls/Tür zu/Islam in Nigeria/Tanzende Melancholie
Christoph Anders: voc, synthesizer, Eisen, sax / Hans-U. Dietzel: voc, git, percussion / Rüdiger Jestel: git / Walter Kranl: bass / Bernhard Wicke: drums
(download)

Summary: Toto Lotto came from Frankfurt/Main, which is the financial capitol of Germany. During the 1970's it was also a center of left-wing activities (Joschka Fischer started his political career here). I think Toto Lotto were rooted in this political scene and they mixed punk with musical knowledge derived from bands like Henry Cow. Some people they that this pissed the young punks from Frankfurt off so much that they turned into dull and dumb bands like Der Durstige Mann und Die Böhsen Onkelz because the hippies stole punk. Well, I prefer Toto Lotto in any way to these dull and dumb bands because Toto Lotto had a lot of energy like James Chance although they sure could play their instruments and knew jazzrock. Christoph Anders later went on to play with Heiner Goebbels, Alfred Harth and Chris Cutler as Cassiber. Their records are worth looking for.

Extended version: shefferson asked for a new rip and the addition of the tracks of the Schau Hör Main Herz Ist Rhein-Compilation and the Ohne Gewähr-MC (both originally posted by mutant sounds) and here they are. Enjoy!

Originally posted on 18.8.2006

Kommentare:

DieterK hat gesagt…

Diese "Theorie" ist ziemlicher Quatsch!
1. Gerade die linke Frankfurter Szene bot ja den "dumpfen" Punks diverse Plattformen. In der Karl-Marx-Buchhandlung von Cohn-Bendit und Fischer wurden - lange bevor es Toto Lotto gab - Punkplatten und Fanzines (in Kommission) verkauft, in der Batschkapp fanden Punk-Konzerte statt.
2. Punks legten nicht den geringsten Wert auf "intelligente Ausdrucksweisen" oder "hohe instrumentale Virtuosität". Für Jazz-Rocker, die auf New Wave ("Wenn Punk eine Revolution war, dann war New Wave die Konter-Revolution" Hans Wurst, 1978) machten, hatten "echte" Punks nicht einmal Verachtung übrig.

martinf hat gesagt…

Hallo DieterK,
du übersiehst, dass Punk im wesentlich auf "dagegen sein" basierte, eine "Zusammenarbeit" mit Cohn-Bendit und Fischer wäre Verrat an Punk gewesen. Die gleichen Abgrenzungen gab es ja gegen Alfred Hilsberg in Hamburg wie du bei "Nein Nein Nein" von den Buttocks schön hören kannst. Andererseits waren Punktexte nie "unintelligent", sondern "direkt" im Gegensatz zu "poetisch" oder "verträumt", bzw. "zynisch" im Gegesatz zu "optimistisch". Und Bands die ihre Instrumente beherrschten waren immer beliebter als Stümper wie die Vomit Visions und Durstiger Mann aus Frankfurt.
PS: Wer bitte ist Hans Wurst - und wo bitte ist bei dem New Wave-Monster-Hit "Heart of Glass" von Blondie die "hohe instrumentale Virtuosität"?

DieterK hat gesagt…

Hi MartinF,
das Beispiel Hilsberg hätte ich auch gebracht, wenn ich den von Dir verlinkten Artikel von Klaus Walter zuerst gelesen hätte. Dazu später mehr.

Hippies / Punks:
Das war doch nicht viel mehr als Rhetorik, eine Vermarktungsstrategie. Im Ernst hat doch schon damals kein Mensch (von den ganz hoffnungslosen Fällen einmal abgesehen) an den Gegensatz von Hippies und Punks geglaubt. Alle Punkmusiker, die ich kenne, hatten und haben die Regale voll mit Pink-Floyd-Platten (und schlimmeres). 1978 hatten sich viele der frühen englischen Punks zu ihrer Hippie-Vergangenheit bekannt bzw. machten “Hippie-Musik” (Alternative TV, PIL). Beim englischen Post-Punk ist der Hippie-Einfluss unüberhörbar. Und Rough Trade war nichts anderes als eine Hippie-Genossenschaft. John Lydon, Joe Strummer, Jello Biafra, Henry Rollins - alles Hippies.

Walter behauptet (zu Recht), dass die Hippies in Frankfurt “politischer und dadurch langlebiger als in anderen deutschen Großstädten” waren. Richtig ist auch, dass Punk in Frankfurt von Anfang an von den durch Cohn-Bendit, Fischer & Co. (mit)errichteten subkulturellen Strukturen profitiert hat. Vielleicht wurde auch versucht, die Punks (bis Mitte 1978 gab es maximal zehn) politisch zu agitieren. Das einige Punks, wie Stephan Weidner von den Böhsen Onkelz, dies als “subkulturellen Putsch” aufgefasst haben, mag sein. Wahrscheinlicher ist, dass ihm dies später als Rationalisierung für einige Texte der Böhsen Onkelz eingefallen ist. Ich kenne jedenfalls keinen Frankfurter Punk, der die Zusammenarbeit mit den Alt-Hippies als “Verrat” beurteilt hat. Falls darüber überhaupt gesprochen wurde, dann in dem Sinn, dass die Punks sich überlegen fühlten. Ich kann mich jedenfalls nur daran erinnern, dass sich die Punks über die Leute in der Karl-Marx-Buchhandlung lustig machten, die Ladendiebstahl (mehr oder weniger) tolerierten (jedenfalls niemals die Polizei riefen).

Außerdem ist Walters Einschätzung, die (versuchte) Vereinnahmung von Punk als “linker” Musik sei ein spezifisch Frankfurter Phänomen, vollkommen falsch. (Die Böhsen Onkelz waren ja auch nicht die einzigen Rechts-Rocker. Wenn ich mich nicht irre, war Rechts-Rock auch eine Modewelle, die als Oi! von England rüber schwappte). Ende der 1970er Jahre hat jeder drittklassige Soziologe - von NME- und (in Deutschland) Sounds- und (später) SPEX-Journalisten ganz zu schweigen - das politisch linke Widerstandpotenzial von Punk dechiffriert bzw. erfunden. Hier kommt wieder Hilsberg ins Spiel, den Walter als positives Beispiel für “politisches Popbewußtsein” glorifiziert.(Dabei war gerade Hilsberg der alte Hippie, der bei der “Unterwanderung” des Punk in Deutschland am erfolgreichsten war). Falls sich Frankfurter Punk gegen etwas gerichtet hat, dann genau gegen das von Hilsberg (und später von Diederichsen) verkörperte “Popbewußtsein”: Gegen das von Kleinkapitalisten verbreitete Märchen von der “Independent-Kultur”. Dazu sangen die Vomit Visions 1980 (geschrieben 1978, aufgenommen 1979): “Punks Are The Old Farts Of Today”. Der Verzicht auf die Gründung von langlebigen Bands und Labels, auf den Aufbau von “unabhängigen” Strukturen, war eine bewußte politische Entscheidung, eine radikale Absage an die Kulturindustrie, die sich durch die Integration von (vermeintlich) rebellischen Strömungen ständig erneuert.

Übrigens waren Toto Lotto und sogar die diversen Limburger Bands um Tom Dokoupil bei den Frankfurter Punks beliebt. Da gab es keine Berührungsängste mit ehemaligen Jazz-Rockern wie Wirtschaftswunder (live sensationell, auf Platte eher weniger, abgesehen vom “Kommissar”). Aber so bedeutend, dass der “dumpfe” Punk als Reaktion darauf entstand, waren sie ganz sicher nicht.

Walters Behauptung, dass “keine einzige Frankfurter Band (...) seit 77 etwas Relevantes produziert [hat], bis zu den Onkelz”, beruht auf einem Geschmacks(vor)urteil gegen “dumpfen” Punk. Wie er ganz richtig schreibt, war die “Biertrinker-Dummkopf-No-Future-Attitüde” “carefully designt”. Jedenfalls bei manchen Bands, zum Beispiel beim Durstigen Mann. Eine “Single Of The Week” (für “This is Frankfurt, Not Boston, Fuck Off LA”) beim NME, vier oder fünf Sterne für die erste LP in der BRAVO und hymnische Besprechungen für praktisch alle Platten in Flipside und Maximum Rock’n’Roll sprechen für sich. (Und in den Verkaufscharts von WOM waren sie auch mal).

Zu Punk / New Wave kann ich wenig sinnvolles schreiben. Ich hab‘ erst ein paar Deiner Texte (vor Monaten) gelesen, weiß also nicht genau, wie Du da unterscheidest. Für mich hat Punk absolut nichts mit “instrumentellen Fertigkeiten”, “musikalischer Komplexität” usw. zu tun. Was aber nicht heißt, das Punk nur “dumpf” ist. “Dumpf” und “intelligent” ist kein Gegensatz. Und umgekehrt gibt es natürlich auch gute Musik, die komplex ist. New Wave ist für mich kein Musikstil, sondern eine Marketingkategorie, in der völlig unterschiedliche Stile zusammengefasst werden.

Hans Wurst war der “stümperhafte” (und auch noch Stolz darauf) Bassist der Vomit Visions. Als Fanzine-Autor (“Same Old Song”, “Ultra Hard Core Punk Sounds”) hat er damals obskuren US-Punk bejubelt und die besten Texte gegen die Punk-Ideologie geschrieben. Und (natürlich) war er ein Hippie und (beinahe) auch ein Alt-68er.

martinf hat gesagt…

Gegen die Theorie von der Hippie-Punk-Connection habe ich keinen Einspruch. Die älteren Punks waren im Kern vermutlich von ihrer Generation enttäuschte Hippies, die versucht haben durch eine Umkehrung aller Maßstäbe (Kontrafaktur) einen neuen Anfang zu versuchen. Dass die jüngeren Punks Überlegenheitsgefühle gegenüber den Hippies hatten kann ich bestätigen, Probleme traten aber sicher dann auf, denn die Hippies auf Grund größerer Lebenserfahrung mehr auf die Reihe gekriegt haben.
Der Mythos vom linken Widerstandspotential ist glaube ich allerdings schon älter, der stammt ja noch von 68 und Kraut-Rock. Und die radikale Politik ist ja zum Teil auch erst von den Autonomen, die Punk für sich als kulturelle Ausdrucksform entdeckt (okkupiert) haben, hineingetragen worden, so wie die Gewalttätigkeit von Punk ja auch von der Presse massiv in die Szene hineintragen wurde – der legendäre Spiegel-Titel „PUNK - Kultur aus den Slums: brutal und hässlich“ vom Januar 1978 (http://mitglied.lycos.de/RaFuchs/ndw/sounds/spiegel78.htm) ist hierfür beispielhaft.
Dass Walter ein Problem mit den Frankfurter Stumpf-Punk hat mag ja sein, aber diese Art Stumpf-Punk war nun mal typisch für Frankfurt und irgendwo muß das doch herkommen. Die Vomit Visions hatten übrigens kein Problem bei Herbert Egold’s Rock-O-Rama-Records zu veröffentlichen, der war zwar kein Hippie, aber wohl der skrupelloseste Geschäftemacher des Deutschpunk.

DieterK hat gesagt…

Hallo martinf,
habe gerade gemerkt, dass ich die vor über einem Jahr formulierte Antwort nie abgeschickt habe. Das hole ich hiermit nach:

„Der Mythos vom linken Widerstandspotential ist glaube ich allerdings schon älter, der stammt ja noch von 68 und Kraut-Rock. Und die radikale Politik ist ja zum Teil auch erst von den Autonomen, die Punk für sich als kulturelle Ausdrucksform entdeckt (okkupiert) haben, hineingetragen worden.“

Ganz genau. Von dem (späteren) „linken“ Deutsch-Punk habe ich (so gut wie) keine Ahnung. Da gab es diverse Szenen (Hamburg, Berlin) und die Chaos-Tage in Hannover gehören da wohl auch mit rein. Jedenfalls spielte Frankfurt da nur eine Nebenrolle.
„(…) diese Art Stumpf-Punk war nun mal typisch für Frankfurt“
Da ich keine Böhsen-Onkelz-Platten besitze, habe ich mir ihre frühen Rock-O-Rama-Werke geliehen –und erstaunt festgestellt, dass die ziemlich gut sind. Das hält locker mit den besten Punk-Produktionen aus Düsseldorf oder Hamburg mit. Kann da überhaupt nichts für Frankfurt typisches entdecken. Und so „dumb and dull“ wie der Durstige Mann klingen sie schon gar nicht.

„Vomit Visions hatten kein Problem bei Herbert Egold’s Rock-O-Rama-Records zu veröffentlichen“:

Da EMI, CBS Records und Stiff eine Veröffentlichung abgelehnt hatten, mussten sie den erstbesten Vertrag akzeptieren … Nein, im Ernst: Rock-O-Rama war – lange bevor die zwei, drei anderen deutschen Versandhändler dazu kamen – die beste (einzige) Adresse für Punk aus US und UK. Hier hat sich Egoldt bleibende Verdienste erworben. Weil die Vomit Visions aus ideologischen Gründen unbedingt Geld mit ihrer Musik verdienen wollten – und wer die „Punks Are The Old Farts Of Today“-EP gehört hat, weiß, welche Leistung es bedeutet, dafür bezahlt worden zu sein – kam die Gründung eines eigenen Labels – damals die große Mode – nicht in Frage. Hans Wurst hat Egoldt 1978/79 bearbeitet, damit er ein Label gründet. Ausschlaggebend war letztendlich seine Empfehlung, die Razors (Hamburg) unter Vertrag zu nehmen, die – im Unterschied zu den Vomit Visions – kommerzielles Potenzial hatten. Zu diesem Zeitpunkt (Ende 1979) gab es jedenfalls keinerlei Grund für besondere Bedenken gegenüber Egoldt / Rock-O-Rama. (Nachdem Eric Hysteric Deinen Post gelesen hat, sagte er: „Wenn man einen Plattenvertrag unterschreibt, muss man immer Bedenken haben.“) Außerdem waren die Vomit Visions nicht bei Egoldt / Rock-O-Rama unter Vertrag, sondern haben die EP lediglich für einen limitierten Zeitraum zur Veröffentlichung. Alle Rechte an Aufnahmen und Songs blieben bei der Band. Womit wir schon bei Deinem letzten Punkt wären:

Egoldt „(…) war zwar kein Hippie, aber wohl der skrupelloseste Geschäftemacher des Deutschpunk.“

Richtig, Egoldt war kein Hippie – er war ein Teddy-Boy (und Malermeister). Wenn Du „skrupellos“ auf den Nazi-Dreck beziehst, der Rock-O-Rama Jahre später groß machte, hast Du Recht. In Bezug auf seine Geschäftsmethoden, die Verträge mit den Bands, bin ich mir nicht so sicher: So weit ich weiß, hat Egoldt alle Kosten getragen und die Aufnahmen gegen einen Festbetrag (plus Freiexemplare) gekauft. Eine Umsatzbeteiligung in Form von Tantiemen war (in der Regel?) nicht vorgesehen. Diese Vertragsbestimmungen waren – im Unterschied zu den üblichen Industrieverträgen – so leicht verständlich und eindeutig, dass alle Bands, die sich – zum Teil noch heute – darüber aufregen, fragen sollten, warum sie überhaupt unterschrieben haben.
„Skrupellos“ agierten jedenfalls auch andere deutsche Independent-Labels: Beispielsweise hat mindestens ein Labelboss seinen Musikern von einem GEMA-Beitritt abgeraten – und sich dann selbst als Autor registrieren lassen. Und Moritz R hat in seinem Buch über die Erfahrungen mit einem Großhändler berichtet, der die Gewinne aus dem Vertrieb von Plan-Platten zum Auf- bzw. Ausbau eines Labels nutzte – und Pleite machte, bevor die Band ihr Geld erhielt. Das Label bzw. Nachfolgefirmen davon gibt es (glaube ich) noch heute ….

Anonym hat gesagt…

Martin, bitte um Re-ups:
Toto Lotto, Knusperkeks, Ha't vo'i que huong, Das ist Schönheit + Stille Hoffnung.
Wenn es nicht zuviele Umstände macht.
Komm bloss nicht auch auf Idee den
Blog zu schliessen, ich bin regelmäßiger Leser, allerdings fehlt mir doch die Zeit alles zu kommentieren.
Eine Frage noch zum Schluss:
Hast di die Aktivitäten des not my Cup of beer blogs eingestellt.

Gruß
Shefferson

Anonym hat gesagt…

Ein sehr schöner Blog, allerdings muß ich doch manchmal über die (theoretischen?) Diskussionen über Punks, Hippies, usw... den Kopf schütteln. Aber ich kommemntiere das jetzt mal nicht...
Vielmehr bin ich auf der Suche nach weiterem musikalischem Material von TOTO LOTTO. Leider funktioniert der Link auf MUTANT SOUNDS zu deren 1981er Tape nicht mehr. Wer kann helfen...?

shefferson hat gesagt…

Lieber anonym,
dann will ich dies nicht unkommentiert lassen(Punk vs Hippie).
Vermutlich gehörst Du zu einem Jahrgang an, der natürlich alles
aus historischer Sicht betrachtet
und diese Gegensätze heute überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann.
Wer in dem Brei der "verständnisvollen" Sozialdemokratie aufgewachsen ist und sich von langhaarigen Alternativen die Welt erklären lassen musste, hatte es dringend
nötig sich davon abzugrenzen.

PS:
Auch ich würde gerne die Toto Lotto
Cassette hören, Christoph Anders
wird nämlich leider unterbewertet.

mischalke04 hat gesagt…

Jetzt bin ich mal ne Weile nicht hier gewesen und dann geht hier schon wieder die Post ab! Grossartig!
Aber mal ganz anders gefragt:

Mal angenommen, jemand ist erst 1981 Punk geworden und wäre dann 10 oder 15 Jahre Punk gewesen, also durch die 80er und die sehr unpunkigen frühen 90er hindurch. Oder er wäre vielleicht sogar bis heute Punk. Einer der also in einer Zeit, als Punk bereits wieder in den Untergrund verschwunden war, sowohl von den Urpunks als auch den normalen Leuten als unmodern verlacht wurde.

Hätte nicht einer, der diese allgemeine Geringschätzung all die Jahre ausgehalten hat, nicht viel eher das Recht darüber zu bestimmen, was Punk ist, als einer, der vielleicht von Anfang an dabei war, aber dann nach ein paar Jahren das Handtuch geschmissen hat?
Sind diese Typen, die 1979 nach 3 Jahren Punk mit ihrer Teenagerzeit und Punk abgeschlossen hatten und jetzt die Feuilltons bevölkern, die richtigen Leute, um zu beurteilen was Punk ist?

Vielleicht ist Punk auch nur was für Teenager. Oder gilt der Satz: growing up has no future? Wer will schon erwachsen sein?

Ich selbst war übrigens nie Punk, eher so ne Art Ted. Ne komische Art. Siehe Berlin Beatet Bestes.


Andreas

martinf hat gesagt…

Ich denke, es ist ein Fehler, sich Jugendbewegungen als etwas Statisches vorzustellen. Punk in den 1980er Jahren war definitiv etwas anderes als Punk 1977, auch wenn es möglicherweise verbindende Werte gibt. Die Frage wäre ja sogar, ob es überhaupt verbindende Werte am Anfang von Punk gegeben hat, so schnell wie die Bewegung aufgesplittert ist. Deshalb kann es eigentlich keine allgemeingültige Definition von Punk geben. Gerade in einer non-hierarchischen Subkultur kann sich eigentlich jeder selbst zum Punk erklären. Kein 50jähriger Art-Direktor kann einem 15jährigen Straßenkind das Punk-sein absprechen – und umgekehrt. Weil Punk weniger ein Stil und mehr eine Geisteshaltung ist. Daher ist Punk auch nicht mit der Jugendzeit vorbei, sondern punk ist man – wenn man es will – sein Leben lang. Andererseits verachten sich sehr wohl Straßenkind und Art-Direktor gegenseitig. Der eine das kid, weil es nur einen bereits vorhandenen Stil weiterführt und nicht etwas neues erfindet wie er es damals am Anfang von Punk mit seinen Freunden gemacht hat – das kid den anderen weil er scheinbar von Äußeren her sich angepasst hat, obwohl ja gerade der Kreativbereich derjenige ist, wo Unangepasste am besten durchkommen können. Anyway, danke für den Denkanstoß.

Shefferson hat gesagt…

Danke erstmal Martin für den Link.
Allerdings bekomme ich nach dem anklicken eine Error-Meldung.
Vielleicht bin ich zu blöd für das Programm, bitte mal nachschauen !!
Danke !!

PS : Etron Fou Leloublon gepostet !
KLASSE ! Auch so eine Band die heutzutahe zu unrecht kein Mensch
kennt.

martinf hat gesagt…

Da alle meine Speedshare-Links nicht gehen tippe ich erstmal auf ein generelles Problem seitens Speedshare...

rudeboy79 hat gesagt…

danke fürs posten.
an toto lotto störte die frühen ffm punks nur das sie englische texte hatten & schon älter waren,die musik
fanden die meisten ziemlich geil.

Bodhi Amol hat gesagt…

Hallo zusammen,das ist ja mal eine lebendige abfolge von Kommentaren-Danke an alle!
Leider ist der erweiterte link auch wieder erloschen,das scheint leider bei den meisten hotfile-files der fall zu sein.Martin,es sieht so aus als wäre es besser2 shared zu bevorzugen ,da sind die files bis heute aktiv!
Gruss,Bodhi Amol

Sea Wanton hat gesagt…

Auf alle Fälle waren die TOTO LOTTOs so weit, dass sie es schafften mit uns
1. den "Schau Hör - Main Herz ist Rhein" Sampler zu realisieren (WI, MZ und F bands treffen sich + MACHEN WAS...das war damals KEINE selbstverständlichkeit).
2. sie organisierten sogar ein konzert (wann?) in der "Batschkapp" mit uns zusammen (ich war damals tätig in der WI-band 'No Aid') und: hielten durch...- selbst gegen bierflaschenwürfe des provinzpublikums (hippies? punks? who gives a shit?).
übrigens zur rolle von Klaus W (mit seinem 'runden Ball' in HR3): soweit ich weiss hat er NIE einen song von uns über den äther laufen lassen. vielen dank (nach all den jahren) also an christoph A. et al,
klaus ist für uns (bis auf weiteres also) nicht relevant.

WildDevilMan hat gesagt…

Abgefahren..vielen _Dank für den Re-Upp!

schrottvogel hat gesagt…

Geile Single! Würde gerne mehr von Toto Lotto hören, aber mutant sounds hat ja dichtgemacht und der Link hier ist auch tot. Wenn du diesen auch bei Gelegenheit wiederbeleben könntest, wär ich dir sehr dankbar!

schrottvogel hat gesagt…

Herzlichst-zärzlichsten Dank für deine Fixigkeit! Die Band ist wirklich eine Entdeckung, kaum zu kategorisieren, jedes Lied eine Überraschung und richtig gut und ungewöhnlich.

Immer wieder absolut erstaunlich, wie kreativ Deutschland damals war, auf jeden Fall solange der Graben zwischen Punk und Wave noch nicht bestand.

Alfred Harth hat gesagt…

Ca ein Jahr vor Toto Lotto hatten Christoph Anders & ich eine punk jazz group:
https://www.youtube.com/watch?v=GsewUklW8UU

Alfred 23 Harth hat gesagt…

punk jazz group 1979

Herr A hat gesagt…

Hallo MartinF,
könntest du uns Spätgeborenen eine Chance geben und Toto Lotto(extended) noch mal hoch laden? Vielen Dank!

Herr A hat gesagt…

Hallo MartinF,
vielen Dank für´s Hochladen und die vielen anderen Juwelen (39 Clocks!!!), die du uns vorgestellt hast.

Anonym hat gesagt…

Ich hab alle Kommentare gelesen, sehr interessant, ich hätte es nicht besser ausdrücken können.

Danke.

Auf den Konzert in der Batschkapp (s. Kommentar Sea Wanton) war ich - das erste Mal in der Batschkapp, mit 16. Es war ein sehr weiter Weg, da ich vom HBF bis in die Maybachstr gelaufen bin! Ich konnte keine Busfahrpläne lesen, da ich damals aus der Provinz kam. Und war schon um fünf da, einer der Bandmitglieder hat mich kostenlos eingelassen, als ich allein auf der Treppe saß. Die Musik war schrecklich (wie gesagt Provinz). Ich mochte damals Strassenjungs und Slime, mehr kannte ich noch nicht, da sind Toto Lotto und No Aid zu anspruchsvoll - aber kein Wunder ich habe keine zwei Jahre davor noch Smokie gehört.

Es wäre vielleicht interesant wie Toto Lotto mir heute gefällt.
Mit No Aid habe ich immer noch Probleme https://noaid80.bandcamp.com/ :-)

Aber die Zeiten von Musikblogs sind ja leider vorbei.

Anonym hat gesagt…

Möchte mich für den Reupload bedanken.

Toll an Deinem Blog ist nach meiner bescheidenen Meinung u. a., dass hier nicht nur Tonträger der üblichen Verdächtigen aus Berlin/Düsseldorf/Hamburg und Han-NO-Fun abgefeiert und gepostet wurden/worden sind, sondern eben auch Truppen wie Rotzkotz Front, PVC oder eben TotoLotto, etc. pp ihr Forum bekommen. Kapellen, die für viele Nichtsoundslesende, aber gleichwohl durch Spiegel- oder Springerpressesensationartiklesen schon seit '78 an Punk Interessierten aus der Provinz (wie den Kommentator) den (neben Nina H und den Straßenjungs) den ersten realen Kontakt zur neuen Musik darstellten und sie für die neue Welle begeistern konnten.

Hand aufs Herz: Wer konnte denn damals schon Charlies Görls oder MiPau hören, geschweige denn "live" sehen oder den Ostrich lesen?

ano 2



Anonym hat gesagt…

und auch ich möchte mich bedanken.

Die sind besser als ich sie in Erinnerung hatte. Das Konzert mit No Aid war am 3.7.1981 (steht auf dem Totto Lotto cover). Aber während es so läuft, kann ich gut nachvollziehen, warum es mir damals nicht gefallen hat. Das ist Studentenmusik! :-)