2.8.09

Zwei gegen Deutschland


And now for something completely different: Es ist natürlich viel zu spät, jetzt noch einen Kommentar zu der am 16.7. gelaufenen Fernsehsendung "Deutschland, deine Künstler" mit Campino von den Toten Hosen abzugeben. Aber das Unbehagen von damals kam wegen irgendetwas anderem unter die Räder und tauchte jetzt ohne konkreten Anlass wieder auf. Zum ersten ist es der Titel "Deutschland, deine Künstler", der selbst eine eher konservative Zeitung wie der Hannoverschen Allgemeinen aufgestoßen ist: hat der Künstler wirklich die Nation als Heimat? – hat er überhaupt eine Heimat? – steht der Künstler nicht generell außerhalb der Gesellschaft, "leidet" an ihr? Es ist nicht auszuschließen, dass Campino zum Zeitpunkt der Dreharbeiten nichts von diesem Präsentationsrahmen wusste, aber hat er nachträglich gegen diese Inanspruchnahme protestiert? Das zweite ist diese oft defensive, sich entschuldigende Haltung, die Campino einnimmt, wie er versucht sich als nunmehr vernünftigen, in die Gesellschaft eingefügten Menschen mit einem vielleicht etwas ungewöhnlichen Arbeitsplatz zu präsentieren. Nun ist es eine Sache, dass die Autoren dieser Sendung natürlich die Macht hatten, aus dem vorliegenden Material das auszuwählen und zu montieren, das ihrer Intention dient (und diese Intention war eher gegen Punk gerichtet), aber es gehört auch die Bereitschaft des Portraitieren dazu, entsprechend geeignetes Material zu liefern, und das überrascht bei einem medienerfahrenen Menschen wie Campino dann doch.


Ansonsten heute einfach nur mal ein paar Reste wie "Nothing Doing" von den Cowboys International (ein Wunsch), sowie die obskure "Bracknell E.P." von The Infra Red Helicopters (noch ein Wunsch). Auf Wunsch habe ich auch "Live in Paradise", "Born in DDR" und "PolHitParade 2" wieder hochgeladen. Und neben den hier erwähnten möchte ich euch auch folgende Links ans Herz legen:
The Kanzlers
Rigoletto
Hollow Skai 1978
Micha Polten 1978
Be Stiff Tour
Station 17/Hrubesch Youth

Some kind of translation: someone asked for "Nothing Doing" by Cowboys International and someone else asked for the obscure "Bracknell E.P." by The Infra Red Helicopters. Okay, here they are. Have fun! And maybe you want to listen to "Born in DDR" or "Live in Paradise" with some secret recordings smuggled some 20 years ago through the Berlin Wall. Also have fun with The Kanzlers, Rigoletto, Be Stiff Tour, Station 17/Hrubesch Youth, Nirvana, Die neue Jugend?, II. Invasion, Fähnlein Fieselschweif, Trashbirds, Kleenex and Isolierband.

Kommentare:

Glamypunk hat gesagt…

Tja, Campino findet jetzt zu Jesus und bringt allen Ernstes Sprüche wie "Angela Merkel macht einen guten Job". Tja, stellt sich nur noch die Frage, ob Geld nicht doch den Charakter verdirbt...........

Glamypunk hat gesagt…

2 x "Tja" lol, ist aber auch zum "tjaen"

Anonym hat gesagt…

Ist das Interview mit Holgä tatsächlich v. Nov. 78? Von wegen "Punk ist tot", der Spruch wurde in der deutschen Provinz so früh noch nicht gekloppt?

ano 2?

martinf hat gesagt…

@ ano 2: das interview ist tatsächlich vom november 1978, du unterschätzt hollows universitäres und linkes konsumkritisches vorleben zu diesem zeitpunkt, und schließlich hatten die sex pistols zu diesem zeitpunkt ja schon 3 plattenfirmen durch und sich aufgelöst und new wave und powerpop gab es bereits in london, aber deutschpunk gab es zu dem zeitpunkt noch nicht und die einzigen deutschen "punk"-platten waren big balls, pack, straßenjungs und nina hagen, und die waren alle bei der industrie erschienen. da ist eine kritische position zu punk jenseits von bürgerlichen/kommunistischen scheißhausparolen durchaus verständlich. und hannover 1978 mit bands wie blitzkrieg, rotzkotz, hans-a-plast und den automats/39 clocks als provinz zu bezeichnen zeugt von einer gewissen ignoranz.

Anonym hat gesagt…

Schon klar!

Aber auch wenn es die bands 1978 schon gab, hat es mich doch überrascht, zu lesen, dass auch der Abgesang auf Punk in Han. schon vor dem erscheinen von deren ersten tonträgern begonnen hat.

dass es die Pistols 1978 nicht mehr gab, war so auch im Herbst 78 einfach nicht bekannt. zwar wird der interessierte leser von NME u. ä. postillen mitbekommen haben, dass J. Rotten ausgestiegen war, aber es erschienen doch nach wie immer noch singles mit irgendwelchen gestalten als sänger, die hoch in den brit. charts standen.

das mit der provinz hab ich natürlich nicht bös gemeint....;-)

ano 2