30.12.14

Winterreise 5

Seiser Alm
Engelberg, März 1963

24.12.14

22.12.14

Winterreise 1

 
Haus Erika
Seiser Alm

18.12.14

The Crime Story Of Jane

The Crime Story Of Jane - The End Of Jane
von Klaus Hess
 
Teil I

Ich klopfte an die Tür. Der Brief, den ich in der Hand hielt, war nicht so erfreulich. Es war eine Ladung beim Oberstaatsanwalt. Ich trat in den Raum ein, der total verraucht war. Der Herr Oberstaatsanwalt (Amtsgericht Hannover) saß vor einem dicken Aktenberg, obendrauf eine Schachtel Camel ohne Filter. "Genau das was ich auch rauche" achte ich und meine Beklemmung wich. "Darf ich auch eine rauchen?" fragte ich. Er bot mir sogar eine Zigarette an und sagte: "Setzen Sie sich". "Sie sind beschuldigt, Geräte unterschlagen zu haben. Auch sollen Sie gewalttätig geworden sein Da sind drei Verletzte". Fragend sah er mich an.
Ich wusste, dieses hier ist ein Ermittlungsverfahren und vielleicht würde er mir ja zuhören. Dann könnte ich endlich mal aufdecken, welch eine unglaubliche Schweinerei hier am Laufen war, so unglaublich, dass ich sie nicht glauben würde, wenn ich nicht selbst der Geschädigte wäre.
"Sie? Sie sind der Geschädigte?" fragte er mich. "Ja, diejenigen die mich beschuldigen sind Verbrecher, das war in Wirklichkeit ein gut geplanter Raubüberfall" sagte ich.
Der Oberstaatsanwalt grinste. "Wissen Sie" sagte er freundlich, "Ich höre mir jeden Tag irgendwelche Märchen an. Also machen Sie es kurz". "Nein, nein" sagte ich, "Um es zu verstehen muß man sich die ganze Story anhören und die ist nicht kurz".
Er überlegte. Dann sagte er: "Okay, nennen Sie mir den Knackpunkt in der Story".
"Der Knackpunkt ist der Notar der da mit im Spiel war" antwortete ich. "Er sitzt aber in der Justizvollzugsanstalt in Celle ein. Er ist derjenige, der die Wahrheit kennt".
Der Oberstaatsanwalt ging raus um zu telefonieren. Als er wieder reinkam, nickte er mir zu und sagte: "Okay, wir haben Zeit, erzählen Sie".
Der Notar
Panka hatte mich damals morgens stocknüchtern sogar mit dem Auto abgeholt. "Sehr ungewöhnlich", dachte ich mir.
"Klaus, wir müssen zum Notar fahren um die Aufteilung unserer Werte die wir im Studio haben, notariell beglaubigen zu lassen": "Wieso das denn", dachte ich; was geht denn hier ab? Aber okay dachte ich, Panka will es so, also soll er es auch so haben.
Der Notar erschien mir sehr einvernehmlich mit Panka zu sein und es freute mich bei guter Laune den Auseinandersetzungsvertrag zu unterschreiben. Doch ich wunderte mich darüber, das die Liste mit den einzeln aufgeführten Geräten separat war und nicht unterschrieben werden brauchte.
Und dann bemerkte ich einen Fehler!
Auf der Liste, auf der meine Werte aufgeführt waren, stand der Name Panka, und auf seiner Liste der Name Hess.
"Das ist falsch rum" sagte ich.
Und als ob beide nur darauf gewartet hatten: "Das ist ein Fehler der Sekretärin; sie hat da was verwechselt."
In mir kamen Zweifel auf, was geht hier ab?
Schließlich aber dachte ich mir "Es ist Peter, dein guter Kumpel, mit dem du schon durch Dick und Dünn gegangen bist. Und das ist ein ehrenvoller Notar". Was ist hier bloß los?
Ich sollte darüber noch bitter Bescheid bekommen.

Teil II

"Es geht hier um Körperverletzung und Unterschlagung ihrerseits" unterbrach mich der Staatsanwalt. "Wir haben hier eine Aussage des Zeugen Werner Nadolny aus dem letzten Zivilprozess die so lautet: "Ich will hier nichts verschönern oder gar verwässern, aber ich war dabei als Herr Panka das Jane-Büro in seiner Wohnung auflöste. Dann fuhren wir gemeinsam in das Studio von Herrn Hess (Sarstedt) um ihm seine restlichen Papiere zu bringen. Unter den Papieren befand sich auch eine Liste mit den aufgeführten Geräten die Herrn Hess gehören sollten. Ich kann mich noch genau daran erinnern, denn ich wunderte mich im Studio darüber, das keines der aufgeführten Geräte mehr da war. Es waren nur noch Sachen da, die auf Herrn Pankas Liste standen."
Jetzt unterbrach ich den Staatsanwalt: "Da ist jedes Wort gelogen, von Anfang bis Ende. Die waren nicht bei mir im Studio. Und meine Liste aus dem Jane-Büro habe ich auch nie wieder gesehen".
Es erinnerte mich alles an den Prozess als damals Nadolny gegen Bernd Pulst ausgesagt hatte.
Der Staatsanwalt: "Weiter sagt Herr Nadolny aus, Herr Panka habe da den Herrn Hess angemahnt, er würde bald seine Sachen abholen, da er befürchte, sie würden verkauft. Herr Hess aber wollte die Sachen nur ungerne herausgeben; man könne ja in Zukunft noch was gemeinsam machen und dann die Geräte auch gemeinsam nutzen. Das wollte Herr Panka aber nicht".
"Das sind alles sehr gut ausgedachte Lügen" rief ich. Der Staatsanwalt: "Hatten Sie bereits ihre Sachen verkauft?" Äh, dachte ich, blickt er es überhaupt nicht?
"Herr Staatsanwalt, ich sage Ihnen wie es wirklich war".
Nachdem Panka mich vom Notar nach Hause gefahren hatte, gab er mir noch Restgage von der letzten Tour und ich fragte ihn wie immer "Alles bezahlt? Roadies, Licht, PA bezahlt?""Alles bezahlt" antwortete Panka mir "wir hören".
Dann gingen wir auseinander und wir trafen uns erst am Tag X wieder.
Ich hatte im Studio fehlende Sachen dazu gekauft und das Studio war wieder komplett. Herzstück war die Aufnahmemaschine - darauf hatten sie es abgesehen. Ich hatte die Maschine als Vertreter der Gruppe Jane damals für 86.000 DM gekauft. Allerdings waren alle Beteiligten - Martin Hesse, Manfred Wieczorke, Panka sogar mit notarieller Beglaubigung, von mir ausbezahlt worden. So stand die Maschine nun auf meiner Liste und in meinem Studio und war in meinem Eigentum.
"Wo finden sich Beweise?" unterbrach der Staatsanwalt.
"Der Notar" rief ich.
Er blätterte in den Akten und dann las er vor: Aussage des Notars: "Ich befinde mich im Moment in Haft. Ich kann mich an die Sachen mit Panka und Herrn Hess gut erinnern, werde aber hierzu keine Aussagen machen, um mich nicht selbst zu belasten".
"Punkt" sagte der Staatsanwalt laut.
"Der Panka hat die erste Liste die falsch war in den Händen und meine Liste, die in meinem Fach im Jane-Büro bei ihm zu Hause war, ist verschwunden" rief ich aus. "Der will meine Maschine haben".
"NEIN" sagte der Staatsanwalt "Der will nicht ihre Maschine haben! Der PA-Verleih will sie haben"
"Was?" rief ich aus "Der PA-Verleih? Wieso das denn?"
Der Staatsanwalt zog einige amtliche Papiere hervor. "Hier ist eine Abtretungserklärung des Herrn Panka an den PA-Verleih Oldenburg. Darin bestätigt Herr Panka, die letzte Tour nicht bezahlt zu haben (ca. 36.000,- DM). Dafür aber hat Herr Panka seine 24-Spur Maschine die sich noch in den Händen des Herrn Hess befand, der PA-Firma übereignet. Damit sei die Schuld ausgeglichen. Hier gibt es noch weitere Papiere; die (der PA-Verleih) waren gemeinsam beim Gerichtsvollzieher wegen Pfändung, wollten sich aber erst mal selber darum kümmern um die Kosten für Herrn Hess gering zu halten".
"Danke, Danke, das ist ja nett; beklauen mich und ich kann nachher noch die Kosten tragen". Welch grausames Spiel wurde da mit mir getrieben?
Darüber sollte ich dann noch am Tag X Bescheid kriegen.

Teil III

Über den Tag X werde ich später berichten. Es war ein traumatisches Erlebnis für mich und ich tauche nicht gerne in diese Gedanken ein.
Soviel vorweg; das Ermittlungsverfahren des Staatsanwaltes gegen mich wurde eingestellt. Ich verlor aber alle weiteren Prozesse und verlor all mein Geld und mein Eigentum (u.a. Studio), hatte zu Hause eine Frau und eine kleine Tochter. Wir mußten von der Hand in den Mund leben. Kleine Werbeaufträge und Gema-Gelder hielten uns über Wasser und Panka und Nadolny (Nadolny mittlerweile in der Rangordnung innerhalb der Band auf Platz 2 gerutscht, Panka Nummer 1), spielten fett unter dem Namen Jane.

VOR NEUSEELAND

Ich fand endlich einen Parkplatz in der Stadt. Als ich aussteigen wollte sah ich ein bedauernswertes Wesen über den Bürgersteig Richtung Hauseingang kriechen. Am Eingang stand Sozialamt. Ich blieb lieber noch im Auto sitzen, denn ich erkannte, es war Nadolny, und dem wollte ich nicht begegnen. Tief gebeugt, gestützt auf 2 Krücken, schlürfte er ins Amt.
"Ach so" dachte ich, "er macht jetzt auf Krüppel, damit sie ihn nicht mehr die Fensterputzerleiter hochscheuchen können".
Als ich dann später draußen in einem Cafe saß, sah ich Nadolny schon wieder; diesmal aber mit kerzengeradem Gang, fast leichtfüßig wirkend, ohne Krücken, und sogar seine Klamotten sahen nicht mehr ganz so schäbig aus. Ohne mich zu bemerken kam er direkt auf mich zu. Als er neben mir war konnte ich es mir doch nicht verkneifen ihn anzusprechen: "Na Alter? Ohne Krücken unterwegs?"
Er blieb verdutzt stehen und zu meinem Erstaunen redete er mit mir: "Ja, mit Krücken läuft es manchmal besser, Du glaubst gar nicht, wie viele Leute ein Helfersyndrom haben und vor allem das Mutterherz der Frauen wird besonders gut angesprochen. Hahahaha. Da kommen dann auch schon mal helfende Hände ins Spiel, beim Wasserlassen, haha, es soll ja nichts daneben gehen, haha".
Besonders Frauen, die sich durch den Geruch seiner schmutzigen Wäsche angezogen fühlen, dachte ich. Ich wollte noch nie über seine Witze lachen. Er war immer schon schmuddelig, trug dann aber einen weißen Anzug darüber.
Nadolny: "Hahaha, habe ich gelacht. Neulich rief der Mann von Panka's Rechtsanwältin über die Straße - Hey Werner, spielst Du immer noch mit dem Orange Utan zusammen?" Mir war klar, er meinte Panka mit henna gefärbten Haaren.
Nadolny: "Panka und ich haben neulich darüber geredet, ob wir nicht wieder mit dir spielen sollen. Dann könnten wir auf Neuseeland-Tour gehen. Was sagst Du dazu?"
Ich ganz verdutzt: "Ihr habt da doch diesen öligen Schleimer der von sich selbst glaubt er sei Klaus Hess und der sogar meine Bilder unterschreibt. Ne Alter, vergiß es, das tu ich mir nicht mehr an."
Nadolny: "Überleg es Dir nochmal. Wir hören" und blitzschnell war er weg und ich saß da wie vom Blitz getroffen.
"Ne Alter, was geht hier wieder ab" dachte ich mir. Fast 10 Jahre nach dem Tag X erzählt er mir sowas.

Ich hatte deren Combo einmal gesehen; heimlich und unerkannt habe ich mir deren Gewabere einmal angetan. Unvergeßlich wird mir auch das Geschleime bleiben. Fast hätte ich mich bekreuzigt. Das kam so rüber:
Mit priesterlich, geweihter, beschwörender Stimme wurde verkündet, begleitet von Orgel-Gewabere, das es sich hierbei (bei dem Orgelspieler) um den großartigen Künstler Werner Nadolny handelt, dem Mitbegründer der Gruppe Jane und dem Hauptkomponist aller Jane-Musik Stücke (nichts davon ist wahr); Applaus brauste auf.
"Doch jetzt kommt das Herz von Jane, das Herz und die Seele, ja und auch der Geist, der uns alle umfängt, kommt von ihm."
Das Orgel Gewahahabere wurde lauter, die Spannung stieg. Na, wer ist es wohl??? Wieder Orgel-Gewahahahahahabere, jetzt mit schnellem Leslie und dann wurde ein Effekt dazu geschaltet, der die Stimme göttlich erklingen ließ, und diese Stimme sprach es nun aus, sie sprach den Namen aus: PETER PANKA!
Mir wurde schlecht .
Wenn ich mir auch schon meine eigenen Stücke anhören mußte, getrimmt auf Schlagerniveau, dargestellt von Nur-Posern, kein Arsch, keine Eier, nix, da wird einem übel. Sie schwenkten immer nur den Namen Jane rum, den ich für meine Gruppe erfunden hatte.
Und dann kam die Oberpeinlichkeit:
Panka auf dem Weg zum Paradies; von der Drum weg, nach vorne, wankend und singend. "Ich bin das Kind Jesus Christus, ich der Mönch der sich selbst verbrannte": (Way To Paradise)
Sie sangen meine Songs. Mein Song aus Auroville. Ich hatte das Gefühl, er wurde missbraucht und Jane wurde damit vergewaltigt.
Mir war klar, ich fahre nicht nach Neuseeland!

Teil IV

Vor 10 Jahren hatte ich meine Gitarre zu den anderen Sachen in die Ecke geschmissen. Jane-Trophäen, Goldene und silberne Schallplatten, die Brain-Auszeichnungen, alle Zeitungsartikel; alles deckte ich mit einer großen Decke zu.
Ich konnte es nicht mehr sehen.
Panka war nun die Nummer 1 bei Jane, aber nicht mehr Champions League sondern nur noch Regional - Liga. Nadolny war vorher nichts (mit seinem Mumpf hatte er nie Erfolg und Mister M. Wieczorke hatte gezeigt, wie Keyboard bei Jane klingen kann), er war also weiterhin gar nichts, nur in der Rangliste aufgestiegen, zu dem Preis, Panka zu Diensten sein zu müssen. Er holte Panka Bier und fuhr ihn zu Pontius und Pilatus.
So sah ich sie wieder. "Herzejesulein Panka auf Alkoholstation" dachte ich mir, "begleitet vom Glöckner von Notre Dame". Nur einer fehlte noch. JUDAS!
Maucher war nicht zu sehen, obwohl er damals bei der ganzen Schweinerei im Hintergrund die Fäden mitgezogen hatte; mir ganz nahe kam, mit mir im Garten Schach gespielt hatte, mich zum Essen eingeladen hatte, um mich dann am Tag X schändlich zu verraten.
"Wie soll das denn gehen mit Neuseeland ohne Bassmann?" fragte ich. "Bassmann kommt noch" sagte Panka.
Wir saßen in der Kneipe gegenüber Panka's Übungsraum und ich dachte darüber nach, warum ich mir das antue; aber ich hatte meine Gründe. Ich wollte wieder Gitarre spielen und ich wollte meine Band Jane wiederhaben.
Ich wusste, dass ich es hier mit zwei hinterhältigen Typen zu tun hatte, von denen ich einmal geglaubt hatte, sie seien meine Freunde.
Rachegefühle hatte ich nicht, denn meine christliche Erziehung lehrte mich: "Und der Herr sprach "Die Rache ist mein".
Dennoch, sollen sie ersticken an ihren Lügen. Diesmal bin ich gewarnt und ich stellte Bedingungen.
"Ja, ich spiele wieder Jane. Ja, ich mache auch Neuseeland mit, nur, ICH übernehme die musikalische Leitung bei Jane". Kein Widerspruch, was mich wunderte. "Ich bin getrennt von Panka und Nadolny im Hotel und auf der Fahrt". Alles wurde genehmigt. Abgesegnet auch vom Management. Halt, noch was. "Ich bekomme als Vorschuss einen neuen Camcorder meiner Wahl". Wurde auch genehmigt.
Hey dachte ich, sind die blöde, merken die noch was? Haben die keine Angst vor mir, nachdem was sie mir alles angetan hatten?
Ich merkte dann aber, sie sind hochmütig und verblendet, sie machen überall groß auf "Wir sind von Jane" und ließen sich feiern.
Selbst mir gegenüber wollte Nadolny großkotzig klarmachen, wie der Song "Out In The Rain" geht, bis ich ihn darauf aufmerksam machte, das ich der Komponist sei der diesen Song geschrieben hatte. Sein Gesicht wurde aschfahl, denn die Hälfte seines zusammen gelogenen Ruhmes war gefährdet wenn das rauskam.

Panka hingegen eher mit schlechtem Gewissen. Er hätte ja nur das Ding "Jane" hochhalten wollen "und stell Dir vor Klaus, der Walz will sogar nach dem Namen Jane greifen" sagte er empört.
"Wie soll das denn gehen" fragte ich ihn. "Ja wirklich" sagte Panka," ich hatte mal daran gedacht aufzuhören. Da sagte Walz mir, das er dann mit einem anderen Drummer Jane weitermachen will. Mit diesem Fürzchen, diesem Klapperheini, mit dem er schon bei Epitaph gespielt hatte". (Gemeint ist Fritzchen Randow, meist wurde er Fürzchen genannt)
""Ey" sagte ich, "die haben ja nun überhaupt nichts mit Jane zu tun". Er nickte zustimmend.
Später dann, als wir im Flieger nach Neuseeland waren, kam er wieder zu mir. "Der Walz ist wie der Nadolny. Nichts eigenes drauf, immer nur Clown von Anderen".
Da unterbrach ich ihn: "Tja, genau wie du" entgegnete ich ihm. "Was ist denn mit meinem Studio?"
Panka ganz unschuldig: "Stell dir vor, ich habe von all den Sachen auch nichts gesehen. Als der PA-Mann alle Sachen im LKW hatte und Nadolny schon die Übungsraumtüren von unserem neuen Studio erwartungsvoll weit aufgerissen hatte, blieb der LKW verschlossen und der PA-Mann sagte: So, ich fahre jetzt nach Oldenburg. Von ihm habe ich nie wieder etwas gehört." Ich guckte ihn angewidert an. Panka: "Das war alles Nadolnys Schuld. Er hat das alles eingefädelt, du kennst ihn doch den Fuchs". (der Fuchs, so nannten wir manchmal Nadolny)
Nadolny hatte Panka Profit versprochen und bekommen hat er nur ein schlechtes Gefühl im Bauch und einen fahlen Geschmack auf der Zunge. Den Profit hatte nur der PA-Mann gehabt. Panka hatte ja alles was auf der gefälschten Liste stand abgetreten. Gewonnen hatten nur Nadolny und Walz, die sich jetzt als großartige Künstler in einer namhaften Band darstellen konnten.
"Dann hast du also das ganze PA-Geld von der Tour einbehalten?" fragte ich.
"Quatsch" sagte Panka, "meinst Du eine PA-Firma arbeitet eine ganze Tour ohne Kohle ab, in der Hoffnung, am Ende irgendeine 24-Spur Maschine zu bekommen? Ohne Kohle würden die sofort die Tour abbrechen".
"Ja, was sollte das ganze dann?" fragte ich.
"Werner" sagte er, "Du kennst doch Werner!"
"Ja, aber du hast doch alles mitgemacht. Ohne dich hätte das Ganze nicht stattgefunden. Du hast den Namen JANE nicht hochgehalten, DU HAST IHN ZERSTÖRRT!"
Er sprang auf und war weg.
Das war das letzte Mal, dass ich mit Panka gesprochen habe. Wir haben nie wieder ein Wort miteinander gewechselt.

Dettmer, Panka, Nadolny, Hess

Teil V

Jetzt aber saßen wir alle noch gemeinsam im Flieger nach Neuseeland. Ich wunderte mich: "Wo sind die Glücksgefühle?" Jeder normale Mensch wäre doch mit Glücksgefühlen überschüttet. Ich sitze im Flieger auf der Reise in ein fernes Land wo schon Fans auf mich warten, die meine Konzerte hören wollen, die ich mit meiner Rockband dort spielen werde um alles mit meinem neuen Camcorder aufzunehmen.
Es half nicht. Ich kam einfach nicht gut drauf.
Eher kamen mir immer düstere Bilder in den Sinn.
Immer wieder tauchte da dieser Riese in meinen Gedanken auf.
Der Riese, der plötzlich die Tür aufriss und mitten im Übungsraum stand, begleitet von einem priesterlich wirkenden Menschen (es war sein Rechtsanwalt).
Wir waren gerade mitten in der Musik (Proben für Neuseeland), da brach der Riese respektlos in den Raum ein, griff sich mit all seiner Faust Nadolnys Hals (Nadolny spielte gerade unschuldig vor sich hin), riss ihn von der Orgelbank, klatschte ihn gegen die Wand, würgte ihn die Wand hoch.
Er wollte ihn umbringen.
Nein - doch nicht.
Ich bemerkte wie der Padre Handzeichen gab. Dann würgte der Riese den Nadolny etwas weniger. Dann wieder ein anderes Zeichen und er würgte ihn wieder mehr.
"Hilfe, was geht hier ab?" dachte ich und wo ist der kräftige Panka?
Panka verschwand hinter Orgel und Leslie und ward seitdem nicht mehr gesehen.
Also musste ich ran. Ich versuchte den Riesen verbal zu bremsen, doch er nahm mich gar nicht wahr. Für ihn war ich wie Luft, selbst als ich ihn an der Schulter berührte - keine Reaktion.
Ich begriff, der Padre ist der Schlüssel. Nur über ihn würde ich erfahren was hier los ist.
Ich wendete mich also ihm zu. Er machte Handzeichen und Nadolny wurde nur noch am Genick festgehalten und nur ab und zu mal untergetaucht mit dem Knie des Riesen im Rücken.
"Die heilige Inquisition ist in unseren Übungsraum eingetreten" dachte ich und Padres sind ja meist gebildete Leute und ich konnte deren Sprache sprechen.
Also sprach ich: "Was ist hier los?" Gegenfrage: "Wer sind Sie?" Ich: "Mein Name ist Klaus Hess und wer sind Sie?""Ich bin der Rechtsanwalt von diesem Herren dort". Er zeigte auf den Riesen (der hatte jetzt beide Knie auf Nadolny).
Ich: "Dann müssen sie das hier sofort beenden. Schließlich leben wir hier in einem Rechtsstaat. Und das hier (ich zeigte auf Nadolny) ist nicht zulässig".
"Genau das ist meine Aufgabe hier" sagte der Rechtsanwalt, "ich bin hier um zu bezeugen das alles noch zulässig ist".
Die Gefühle die in mir aufkamen erinnerten mich an den Tag X. Diese Gewalt, dieser Schrecken. Ich schüttelte nur noch angewidert den Kopf. Jetzt hatte es mir die Sprache verschlagen, ich konnte kein Wort mehr rauskriegen. Ich gestikulierte nun mit den Händen um dem Padre verständlich zu machen, dass es mir die Sprache verschlagen hat.
Da ließ der Riese von Nadolny ab, kam auf mich zu.
Ich trat sofort hinter den Rechtsstaat (den Anwalt), doch der trat zur Seite und so musste ich mich dem Riesen stellen. Ein knallrotes Gesicht, vor Wut schäumend, hatte ich jetzt nahe vor mir.
"Du bist Klaus Hess?"spie er aus. "Den Namen habe ich schon mal irgendwo gehört. Hast du nicht mal als Gitarrist in den Anfangszeiten bei Jane gespielt? Nadolny hat dich dann aber nach der 1. Scheibe rausgeworfen?!"
Meine Sprache war wieder da. "Wieso? Die 2. Scheibe habe ich doch auch gemacht!"
Er suchte jetzt voller Zorn den Übungsraum ab nach Panka. Panka hatte sich in Luft aufgelöst; er war einfach nicht mehr da.
Jetzt fragte ich den Riesen mit beruhigender Stimme: "Was ist hier eigentlich los?" und ich brachte ihn nach einer Weile dazu mit mir raus zugehen und zu reden.
Ich werde jetzt einmal berichten wie ich ihn verstanden habe.
Er hatte irgendwelches Geld geerbt und wollte es für ein schönes Leben anlegen, am besten mit einer Rockband umherfahren (Sex, Drugs, Rock'n'Roll), freies Leben, immer mit Sonnenbrille, reisen, saufen.
Und so was hörte selbst von Ferne Nadolny gern und schwupps war er da und bot ihm an den Namen Jane zu kaufen. Er brauchte Panka und Nadolny nur 20.000,- DM zu geben und nichts läuft mehr ohne ihn bei Jane. Das Angebot erschien dem Riesen damals attraktiv, aber seitdem hatte er nie wieder etwas von Panka oder Nadolny gehört. Als er jetzt aber durch die Presse erfahren hatte, Jane übt für Neuseeland, hatte er Rechtshilfe (den Padre) in Anspruch genommen. Er wollte die Benutzung des Namens Jane verbieten.
"Dann müssen Sie aber jetzt schnell nach Neuseeland um dort alles einzuleiten" rutschte es mir heraus.
Jetzt bringt er mich um. Wo ist der Padre? Nix wie weg!
Ich fasse es nicht, das Opfer einer Intrige zu sein, wie ich sie in ihrer Gefährlichkeit nur in Verbindung Panka und Nadolny ebenfalls schon zu spüren bekam.
Der Aufschrei eines Opfers.
Ich zuckte hoch: "Ah, immer noch im Flieger, alles okay. Wo sitzen denn Jens und die nette Anke?"
Ich muss auf andere Gedanken kommen.

Teil VI

Jens sollte Bass spielen, er war auf Grund einer Annonce zu uns gestoßen und hatte sich alles eingeübt; fuhr also mit nach Neuseeland aber nur wenn seine Freundin Anke mitfährt. Okay. Ich setzte mich zu ihnen. Hier konnte ich atmen. "Ein Glück" dachte ich, "das der Maucher nicht mitgekommen ist, und dann noch hier im engen Flieger".
Klaus Hess und Jens Dettmer

Maucher war der Typ, der trotz seiner Magengeschwüre von sich selbst glaubte, aus seinem Arschloch scheint die Sonne. Er berühmte sich damit weit und breit, Gründungsmitglied von Jane gewesen zu sein, war aber in Wirklichkeit erst kurz vor der ersten Scheibe zusammen mit Nadolny bei Jane eingestiegen.
Er kaufte sich ein, indem er einen Transporter mitbrachte. Unsere Transportprobleme waren gelöst. Gründungsmitglied Lui Jansen musste gehen. Ich wollte das nicht, musste mich aber dem Willen Pankas (von Nadolny infiziert) beugen. Ich schenkte Lui noch zum Abschied meine Lederjacke und habe ihn nie wieder gesehen. Maucher, jetzt Bassist bei Jane, war ein gelehriger Schüler, er übte mit mir die Bassläufe für die 1. LP, spielte einen soliden Bass, war aber nicht kreativ.
Dafür fuhr er den Bandbus wo fett Jane drauf stand.
Das machte ihn stolz. Er war in der Rangordnung auf unterster Stelle, zum Ausgleich dafür nannten wir ihn Chef, manchmal auch Chief, weil er immer so schief sang. Aber er fand Chef gut.
Er wollte zum Glück nicht mit nach Neuseeland, wollte lieber zu Hause bleiben, Bundesliga gucken.
Kai Schiering konnte nicht, hatte gerade eine Ausbildung angefangen.
So kam Jens dazu und Anke. Beide hatten in der kurzen Zeit in der sie dabei waren die schäbige Seite vom Team Panka / Nadolny kennen gelernt.
"Was war denn?" fragte Jens, "was wollte Panka denn von dir?"
"Sich reinwaschen" antwortete ich, "seine Hände in Unschuld waschen und in alten Zeiten schwelgen". Als wir noch wirklich unschuldig waren, waren wir Freunde. Jetzt aber war er mein Feind geworden. "Du kennst doch Nadolny" hörte ich Panka blubbern, aber inzwischen hatte auch ich ihn gut kennen gelernt.
"So würde ich niemals Drum Spielen" sagte Jens. "Wie?" fragte ich. "Na mit dem ganzen Gedöns an seinem Schlagzeug" antwortete Jens. Jens, selber Drummer, meinte das Roland-Modul und die dazu gehörigen Monitorboxen an Pankas Schlagzeug. "Da ist doch gar nichts mehr echt, den Klang macht das Modul. Sein Schlagzeug ist Schrott, dient nur noch der Show.""Ich mag es auch nicht, aber Nadolny findet es gut" war meine Antwort. "Alles Betrug" nörgelte Jens, "alles Scheiße, lass uns das Beste draus machen".
Istanbul, wieder Schwierigkeiten wegen Pankas Pass. Pole, staatenlos, wollte ihn kein Land ohne Schwierigkeiten reinlassen. Ich kannte das schon.
Istanbul, ich liebe dich!
Mit diesem Gefühl ging es weiter nach Bangkog, Singapur, dann wurde eine ätzende Seuchenlauge über uns gesprüht und wir landeten in Neuseeland.
Sehr englisch alles, dachte ich, und die quatschen hier sogar alle englisch.
Ein sehr streng aussehender Zöllner, akkurate Uniform, aufrecht und gerade, linke Hand auf dem Rücken, winkte mich raus. Mit strengem Blick fragte er mich misstrauisch: "Was willst du hier in Neuseeland? Und welches sind deine Absichten?" (natürlich alles in englischer Sprache) Ich, immer noch abgeschreckt und wütend wegen der Behandlung mit der Seuchenlauge: "Ich bin gekommen um hier Gitarre zu spielen. Ich bin eingeladen, Sir".
"Was?" sagte er, "Sie sind Gitarrist aus Europa? Herzlich Willkommen, Sir. Wo ist ihr Gepäck?"
Er schleppte tatsächlich mein Gepäck und meine Gitarre durch alle Kontrollinstanzen bis in die Ankunftshalle.
Dort peitschte mir aus den Boxen Purple Haze von Jimi Hendrix entgegen. Voll laut, voll geil, dachte ich.
Draußen erwarteten uns Fans und als wir dann im Auto saßen (getrennt von Panka und Nadolny) drang REM-Musik aus dem Autoradio. Hey Kids - Rock'n'Roll, dann eine Durchsage: "Hey Leute, soeben ist die Rockband Jane aus Europa hier eingetroffen". Dann wieder Hey Kids - Rock'n'Roll.
Wir flogen über den Wolken dem Hotel entgegen. Ich war auf der Insel der Gitarren-Musik gelandet.

Teil VII

Fantastisch, dachte ich.
Die Stadt Christchurch ist auf einem Vulkan gebaut. "Haben die hier keine Angst, dass das ganze Ding hier eines Tages hochfliegt?" Schon sehr fremd alles. Dauernd hupen mich hier die Autos an wenn ich über die Straße will. Linksverkehr. Die kommen immer aus der falschen Richtung. "Du musst hier echt aufpassen" dachte ich. Unter mir brodelnde Erde, Regenwald, fantastische Strände, schäumendes Meer, Landschaften wie vor 2000 Jahren.
Genau der richtige Ort um hier Gitarre zu spielen.
Pah, war das ein Laden. Richtig fremd und richtig schön. Hier tagen also die Rockfans. Alles was man schön findet an solchen Läden war da. Alles, auch die Leute. Der Laden war voll. Alle wollten sie die Band aus Europa hören. Superbühne, geiles PA, schönes Licht. Super Gitarrist mit seiner Band auf der Bühne. Die Vorgruppe dieses heutigen Abends.
Ich bin erleichtert, er spielt eine Fender Strat, die kommt gegen meine Paula nicht an. Jedoch, er spielte wie der Teufel und sonen guten Stratosound hatte ich noch nirgends gehört.
Und dann auch noch mein schlechtes Englisch, das wird brenzlig.
Ich musste auf die Bühne. Herzlicher Applaus schallte uns entgegen als wir auf der Bühne waren. Gitarre umgehängt, Augen zu und durch, nein - los. Zum Glück war ich Profi, denn ich wusste nicht was ich tat, es war aber dennoch alles richtig. Erst im dritten Stück erwachte ich. Der PA-Mann schraubte uns einen Super-Sound rein und die Monitore klangen wie nie gekannt und gehört. Ich schwamm in den Klängen und spielte mich frei.
Und dann Applaus und nur noch freundliche Zuwendung. Es war einfach schön.
Vom Taumel erfasst war ich froh, Anke in meiner Nähe zu wissen. Sie war eine gute Reisebegleiterin (sie ist vom Fach) und so konnte ich mein Rockstarleben voll auskosten; bis der Schatten der Intrige (Panka / Nadolny) über mich fiel.
Es war Montag und Montag war frei. Da trat der Schatten der Intrige bei uns ein. Wir wohnten immer zusammen, Anke, Jens und ich, in einem eigenen Trackt.
"Hört mal" Nadolny spricht, "Die würden heute Abend den Laden voll kriegen wenn wir dort spielen würden, aber Peter hat keine Lust. Er hat auch wieder Schmerzen am Bein. Und er will sich lieber ausruhen. Dann könnt ihr auch endlich eure Karten schreiben, hahaha."
Okay, hat er uns nun was gefragt oder nur was gesagt? "Was soll das?"- am nächsten Tag bekam ich darüber Bescheid.
"You are a fucking Rockstar" wurde ich morgens von der Crew begrüßt. Ich wurde geschnitten, mein Service verschmälerte sich.
"Was ist hier los?" fragte ich meinen Chauffeur Dave. Dave: "Die Leute haben sich gestern Abend so auf Euch gefreut und dann mussten sie erfahren das nur Nadolny und Panka da aufgetaucht sind. Rockstar Klaus Hess wollte nicht spielen. Er wollte lieber Karten nach Hause schreiben. Sowas hat er schon öfters gemacht".
Dave - Tourmanager

Ich dachte: "Nadolny lässt grüßen. Mach mal was dagegen. Er muß einfach aus meiner Umgebung verschwinden; sonst hört das nie auf".
Ich fühlte mich beschmutzt und beschädigt. But The Show Must Go On.
Die Leute rissen sich darum uns zu ihren Partys zu kriegen; Leute aus Europa woher einst ihre Vorfahren kamen.
So fand ich mich dann in einem blühenden Garten an einem Hang in der Innenseite eines Vulkankraters wieder. Steil abwärts in den Schlund des Vulkans blickend dachte ich:"Bitte jetzt nicht, kein Ausbruch bitte".
Vollmondparty im Regenwald bei den Hippies. Die Atmosphäre war umwerfend. Ich musste mich erstmal setzen. Scöne Musik, Typen langhaarig, langbärtig, Zöpfe im Bart, Frauen in schönen Hippiekleidern. Riesen Blockhaus, selbstgebrautes Bier, selbst gepflanztes Gras, Felsen hinter dem Haus, Wasserfall. Alles bizarr beleuchtet durch den Vollmond.
Da ich sowieso leicht mondsüchtig bin, hatte ich das Gefühl mit der Enterprise auf einem fremden Planeten gelandet zu sein.
"Gefällt dir die Musik?" hörte ich eine Stimme neben mir. "Eh, gut gut, gefällt mir gut" ich hörte genauer hin. Es war meine Musik. Mein Soloprojekt "Sternentanz".
"Diese Scheibe hören meine Freunde und ich sehr gerne, darauf freuen wir uns, wir freuen uns besonders, das du gekommen bist. Und wir haben darum auch eure Tour hier unterstützt". Seine Freunde kamen hinzu und begrüßten mich freundlich. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählten mir: "Wir sind 5 Freunde und wenn man zusammen hält, kann man viel erreichen, ähnlich wie in einer Rockband. Wir haben uns zusammen getan um gemeinsam für jeden von uns ein Haus zu bauen. Wir kauften ein Areal im Regenwald, rodeten die Flächen die wir uns ausgesucht hatten. Dann wurde zuerst der Kamin aus Stein gebaut, dann nur noch Holz. Loch in den Felsen gesprengt, Generator rein, dann Motorsägen und dann Blockhäuser gebaut".
"Superschön" dachte ich, "traumhaft".
Doch dann kam in mir ein wenig Heimweh auf. Ich musste an meine Frau und meine beiden Töchter denken, die sich auf der anderen Seite der Erdkugel befanden.

Teil VIII

Am nächsten Tag wieder auf der Bühne. Fans reisen uns nach. Vorgruppe, ah die Vorgruppe. Anke und ich stehen in der Garderobe. Da kommt die Vorgruppe. Alles sehr junge, sehr schöne Jungs. "Pah" sagt Anke, "halt mich fest, hast du die eben gesehen? Pah, sind das schöne Jungs".
Das Konzert fängt an. Anke und ich sitzen im Konzertsaal. 2 Les Paul spielen. Anke neben mir hält mich am Arm und sagt: "Klaus, bind mich fest, bind mich fest, sonst spring ich noch auf die Bühne".
2 Les Paul Spieler, sie covern Metallica und Bush und dann noch Nirvana. Und dann gingen sie.
Und nun sollten wir ran.
Panka und ich waren die einzigen die mit solchen Situationen umgehen konnten. Wir hatten schon Champions - League gespielt, waren schon mit der Ian Gillan Band, AC/DC und Black Sabbath auf einer Bühne gewesen.
Darum nahmen wir trotz unserer Feindschaft Blickkontakt auf und wir machten es so wie wir es schon immer in brenzligen Situationen gemacht hatten. Wir rückten (misstrauisch von Nadolny beäugt) zusammen wie früher im Übungsraum.
Eigentlich nur wir beide. Die Musik unverwüstlich. Jetzt spielten wir wie früher. Schließlich sind wir hier der Haupt-Act, gekommen um alles zu toppen; wir haben es ihnen gezeigt - und sogar mit eigenen Stücken.
Wenn wir ein gewisses Level überschritten hatten, war von Nadolny nichts mehr zu hören, bis wir wieder runterkamen auf ein geringeres Level um Nadolny wieder Eingang zu gewähren.
Panka strahlte, ich strahlte, als wir von der Bühne gingen. "Geht doch" dachte ich.
Geht nicht. Am nächsten Tag nämlich bekam ich die Hiobsbotschaft übermittelt. Panka ist sauer auf mich; er hatte gedacht, wir machen zusammen so geile Klänge und nun so was!??
"Hey was ist denn jetzt wieder?"
Der Nadolny hatte dem Panka erzählt: "Der Hess hat Gestern als er ganz nah an dir dran stand heimlich hinter deinem Rücken immer Faxen gemacht. Ja, so hinter deinem Rücken, den Mund verzogen und mit den Augen gerollt, als ob du blöd wärst".
"Deswegen ist Panka jetzt sauer auf mich?" schrie ich.
Lass uns bloß nach Hause fliegen!
Zu Hause angekommen war Jens und mir klar, so wird es nicht weitergehen.
Prompt war dann auch der Übungsraum verschlossen. Und uns wurde mitgeteilt, Panka und Nadolny spielen jetzt mit Walz und Kolbe, beide von Epitaph, zusammen unter dem Namen Jane.
Ich aber und Jens, wir holten uns Kai Schiering dazu und spielten auch unter Jane.

Wir bekamen sogar ein Angebot aus London und standen dann auf der Playliste im Marquee Club in London.
Aber nur auf der Playliste, nicht auf der Bühne.
Denn als das hier durch die Presse ging bekamen wir freundliche Grüße von Panka und Nadolny in Form einer Einstweiligen Verfügung. Wir sollten es unterlassen uns Jane zu nennen und Klaus Hess sollte es unterlassen sich Jane-Gitarrist zu nennen. Hä? Ich hatte mich doch gar nicht so genannt. Dennoch sollte ich es unterlassen. (Klaus Walz sollte sich jetzt nur noch Jane-Gitarrist nennen dürfen. Ein kleines Geschenk von Nadolny an Walz)
Wir mussten die Hauptverhandlung abwarten und konnten somit nicht in London spielen, in dem Club, in dem alle gespielt haben, alle von Rang und Namen, alle Großen.
In der Hauptverhandlung am Landgericht Hannover kam dann heraus, das ich mich sehr wohl Jane-Gitarrist nennen darf (Hey, schon klar).
Jens, Kai und ich durften uns sogar auch Jane nennen, aber nur mit einem Zusatz.
Panka und Nadolny durften sich auch Jane nennen, aber auch nur mit einem Zusatz.

So kam es dann, das es MOTHER JANE und Peter Pankas Jane gab.
Schon bei ihren ersten 3 Konzerten verstießen Panka und Nadolny gegen die Abmachung und spielten nur unter dem Namen Jane.
Irgendwann kümmerte es mich nicht mehr und ich kümmerte mich nur noch um mein eigenes Ding.

- MOTHER JANE -

Die Speier und Spötter mögen mich ruhig Mutti Jane nennen oder Klaus Hass, irgendwann geht auch das mir am Arsch vorbei.
HAUPTSACHE, ES ROCKT!!!!!

Teil IX

10 Jahre vorher (1982)

Ich hätte es wissen müssen, aber ich habe es einfach verdrängt, wollte es einfach nicht wahr haben. Panka hatte den Weg der Tugend verlassen und ihn unter dem Einfluss von Nadolny ins Gegenteil verkehrt.
Ich kam nur noch zum arbeiten nach Hannover und musste vorher dann alles geschäftlich regeln. Ich war der Vertreter der Gruppe Jane und hatte als einziger Prokura. Panka hatte in meiner Abwesenheit andere Berater gefunden und deren Absichten waren nur noch brutal auf Geld ausgerichtet.
Angestachelt von Nadolny wollte er mir jetzt zeigen wie man richtig Geschäfte macht. So traf ich sie zur Besprechung im Büro (das Büro war bei Panka zu Hause).
Panka: "Ja, da ist noch dieser Typ aus Braunschweig, du weißt schon, der die 3 Konzerte gemacht hat und noch 16.000,- DM Schulden bei uns hat. Ich will, das jetzt das Geld eingetrieben wird und habe deshalb 2 Typen herbestellt die das Geld eintreiben können. Die kommen gleich."
Ich: "Ja, aber was will der Nadolny hier? Ich möchte nicht das der bei unseren Geschäftsverhandlungen dabei ist!"
Panka: "Ich will aber, das er dabei ist. Ich muss später nämlich noch in die Stadt und Nadolny fährt mich" Panka nahm einen kräftigen Schluck aus der Whisky-Flasche.
Es klingelte. Die Geldeintreiber kamen.
Ich musste an unseren Gläubiger denken. Er war ein junger freundlicher Typ der gerade mit seinem BWL-Studium fertig war. Er hatte gerade, genau wie ich, eine Familie gegründet und mit seiner jungen madonnenhaften Frau (sehr sympatisch) ein Baby bekommen. Ich kannte darum die Sorgen und Ängste einer jungen Familie und schließlich hatte er ja auch 2 von 3 Konzerten korrekt bezahlt. Das 3. Konzert ging dann in die Hose, weil Jane an diesem Ort halt keine Leute gezogen hatte.
Ich vereinbarte mit ihm ein Wiedergutmachungskonzert, dann, wenn er sich finanziell wieder erholt hat. Er war ein ehrlicher netter Junge der einfach am Anfang seiner Karriere Pech gehabt hat.
Jetzt standen die Geldeintreiber im Büro.
Zwei Zuhälter, dachte ich, zum fürchten. Ich sah Panka an. Der zischte mir zu: "Es muss ja auch ein bisschen Druck dahinter sein, sonst bringt das nichts."
Einer der Geldeintreiber fing das Gespräch an: "Eins muss klar sein, wir bekommen vierzig Prozent der eingetriebenen Summe!""Und was ist, wenn der kein Geld hat? Wer bezahlt euch dann?" fragte ich. "Wir haben bisher immer unser Geld gekriegt" antwortete er. "Ich weiß aber definitiv das der pleite ist" rief ich.
"Pass auf Kleiner" antwortete er, "erst wenn wir mit ihm fertig sind, dann erst ist er wirklich pleite".
Nadolnys Augen blinzelten den Zuhälter lustvoll an. "Haha" er zeigte auf mich, "du bist doch nicht die Mutter Theresa für Arme, Mensch".
"Scheiße" dachte ich, "was mischt sich der Idiot wieder ein".
"Wie soll das denn von statten gehen?" fragte ich den Eintreiber.
"Pass auf Kleiner, das geht so: Zuerst treten wir die Tür ein, dann wird der erstmal abgeklatscht, dann holen wir Stereoanlage und Fernseher raus; das ist dann schon mal eine kleine Anzahlung. Dann kriegt er noch ein paar Arschtritte, dass der auch nicht vergisst, das wir nächste Woche wiederkommen. Er kann ja in der Zwischenzeit seine Oma oder seinen kranken Opa besuchen. Die haben doch immer was unterm Kopfkissen liegen." "Oder soll er doch seine Alte auf den Strich schicken" warf der andere Geldeintreiber ein, "kann uns doch egal sein".
Mir wurde schlecht.
"Was ist hier nur für ein Geist eingekehrt" fragte ich mich. Ich beendete das Gespräch. So etwas wollte ich auf keinen Fall haben.
"Dann zahl du doch Peter die Kohle" hörte ich Nadolny sagen. Panka war mit den Schlächtern rausgegangen.
"Wenn du dich darauf nicht einlassen willst, schuldest Du Peter Geld. Was du mit deinem Geld machst ist egal, aber Peter will seine Kohle haben!" Die typische Nadolny Logik. "Was mischt du dich denn hier ein" sagte ich, "noch habe ich hier das Sagen. Verschwinde hier aus dem Büro". Er verpisste sich ins Nebenzimmer (Pankas Wohnung) und ich dachte nach.
Wie konnte Panka mir das nur antun, solche Typen hier anzuschleppen. Hatten wir nicht gemeinsam in unseren Liedern von der Gier des Menschen nach Geld gesungen? Die Gier, die jedwede Harmonie zerstört (Dandelion, 2. LP; später hat Panka sogar noch das Friedenslied "Imagine" von John Lennon gesungen). Lieder, die von Freundschaft handeln, von Frieden; Lieder, die die zerstörerische Gewalt anprangerten. Und jetzt so was.
Eine Stimme in mir sagte "NEIN". Das ist nicht mehr dein Freund Peter Panka mit dem du durch Dick und Dünn gegangen bist und mit dem du so viele Erfolge gefeiert hast. Aus ihm spricht nun die Stimme der Looser, die voller Neid und Missgunst unsere Erfolge
beäugt hatten.
Panka kam rein und sagte nur :"Nicht?"und ich sagte auch nur: "Nicht!".
Und er schüttelte mit dem Kopf: "Wenn nicht, dann eben nicht".
Klaus Hess ca. 1982

Ich wollte einfach weiterhin Vertrauen haben und wollte nicht wahr haben, dass Neid und Gier inzwischen seine Seele zerfressen hatte, gepaart mit Alkohol und er ein Sinnesbruder des Nadolny geworden war.
Umso schmerzhafter bekam ich dann zu spüren, wie er anfing mich zu betrügen. In der Schweiz (Bern) sollten wir in einem Kaufhaus eine Autogrammstunde geben.
Wir fuhren also hin und ich gab Autogramme. Es waren viele Leute da. Nachdem ich alles abgearbeitet hatte, stand ich nur noch rum. Zwei hübsche Mädchen fragten mich ob ich nicht Lust hätte in die Karnevalsabteilung zu gehen. Ein bisschen verkleiden und so. Wir waren also in der Karnevals-Abteilung; ich probierte gerade lustige Hüte an, als ein Typ auf mich zu kam und mich anschrie: "Was machen Sie in dieser Abteilung? Sie haben bei der Autogrammstunde zu sein und nicht das Recht sich hier aufzuhalten." "Wat is dat denn für einer?" fragte ich die Mädels und wir lachten den Typ aus. Der schäumte vor Wut und schrie: "Ich bin hier der Geschäftsführer und ich habe für die Autogrammstunde bezahlt und sie haben hier ab sofort Hausverbot". Wir schlichen uns peinlich berührt davon.
Panka hatte mich für diese Autogrammstunde ohne mein Wissen verkauft und sich das Geld eingesteckt. Hätte ja gut gehen können.
Überall stieß ich jetzt auf Ungereimtheiten. In den Büchern im Büro stand dann schon mal "von Panka ausgelegt 3.500,- DM"; eine Woche später dann "an Panka zurück 3.500,- DM".
"Wofür das denn?""Für Bürobedarf". "Wie soll ich denn diese Summen die hier neuerdings verschwinden in der Bilanz unterbringen?" Ich war verantwortlich und musste vor der Steuer alles belegen können.
Langsam wurde mir klar, ich muss mich von Panka trennen. Aber dann war Jane kaputt. Wir beide waren die Säulen der Gruppe Jane.
Also erstmal nur eine finanzielle Trennung. Wir teilten die Güter auf und Panka kam mir mit dem Notar, der auf Wunsch alles beglaubigen sollte. Der machte dann nicht 2 sondern 4 Listen; angeblich ein Versehen. Ich bekam dann aber doch eine Liste auf der meine Sachwerte standen und wir wollten mindestens für 1 Jahr pausieren. Mal durchatmen, alles mal überdenken, eigene Projekte verwirklichen; um uns dann wieder zusammen zu tun und erneut durch zu starten. Das war der Plan auf den wir uns einigten.

Ich hatte jetzt mein eigenes Studio und stellte mein Soloprojekt die LP STERNENTANZ her. Sie kam auf den Markt und war erfolgreich. Das zeigte aller Welt, das ich in der Lage war mit meinem Studio Produktionen herzustellen, also auch Jane Produktionen, aber Jane sollte ja erstmal ruhen.
Ich fühlte mich kompositionsmäßig ziemlich ausgelaugt und war froh nicht mehr jedes Jahr eine Produktion abliefern zu müssen. Der Plattenvertrag war abgeschlossen (bei der heutigen Universal).
Ich hatte zu Hause meine kleine Familie, ein gutes finanzielles Polster und mein eigenes Studio mit dem ich Geld verdienen konnte. Meine Zukunft war gesichert.
Bestimmt bekam ich bald wieder Lust auf Jane und dann würde es mit Panka viel besser gehen und wir würden wieder erfolgreich auf der Szene auflaufen.
Doch eines Morgens kam ein Anruf. Jemand mit friesischem Akzent wollte mein Studio besichtigen.
Irgendetwas stimmte hier nicht. Auch meine Frau spürte instinktiv, dass hier etwas unheimliches auf mich zu kam, denn sie sagte zu mir: "Fahr nicht alleine ins Studio. Nimm dir zur Sicherheit jemanden mit. Da stimmt was nicht". "Ja, aber es ist 11 Uhr, ich kann niemanden erreichen". Ich musste alleine fahren; wenn da irgendetwas nicht stimmt, will ich wenigstens vor Ort sein.
Ich fuhr los.
Der Tag X hatte begonnen.

Teil X

Der Tag X
Ich liebte diesen Ort an dem mein Studio stand. Eine Wassermühle. Ein riesen Gelände, umgeben von dem Fluß "Innerste". Dieser Ort existierte schon im Mittelalter; alte Bäume, fruchtbare Wiesen, sehr alte Fachwerkhäuser; das Ganze nur zu erreichen über Brücke. Völlig in sich geschlossen. Ein Ort an dem man Tag und Nacht laut Musik machen konnte.
Wassermühle Sarstedt (Quelle: Wikipedia), bis vor ein paar Monaten noch Übungsraum von Mother Jane

Das Jane-Studio, in dem wir schon so oft glückliche Zeiten erlebt hatten. Es ging eine Steintreppe hoch in den Vorraum der eine Tür hatte die ins Nichts führte. Tür auf. Es war schönes Wetter. Wenn man sich in den Türrahmen setzte, sah man auf den alten Weg der umsäumt von Linden zum Wehr führte. Dahinter der Fluß. Sonst nur noch Wiesen. Man war ungefähr 4 Meter hoch, unten mittelalterliches Kopfsteinpflaster. Wenn man gerade runter blickte bekam man Schwindelgefühle.
Die ganze Etage war mein, der Dachboden darüber auch; unter mir zwei riesige Garagen. Hier war kaum mal ein anderer Mensch anzutreffen.

Es klingelte. Ein eher wie ein Killer aussehender Mann stand in der Tür und betrachtete sein Opfer. "Ist sonst noch wer hier?" fragte er beim Hochgehen. Er inspizierte kurz alle Räume. Ich hörte unten Autotüren schlagen und der Typ lief schnell die Treppe runter um die Tür zu öffnen; sie ging nur von innen auf. Fünf Typen kamen jetzt die Treppe hoch. Ich erkannte den PA-Typen mit 2 seiner Schergen. Dann einer den ich schon mal bei Panka gesehen hatte und zum Schluss Nadolny.
Der PA-Typ zeigte mir eine Liste auf der alle Sachen standen, die mir gehörten. Der Name Panka stand darüber!
Ich erkannte die Liste des Notars die "angeblich" versehentlich falsch angefertigt worden war und die der Notar dann aber vernichten wollte.
"Wir sind gekommen um diese Sachen hier abzuholen und du wirst uns nicht daran hindern".
Im gleichen Moment spürte ich wie meine Arme von hinten festgehalten wurden. Durch die Tür sah ich, wie der Rest der Truppe sich an meinem (!) Studio zu schaffen machte. Sie rissen alle Kabel aus der Maschine. Ich konnte es nicht glauben - ein Überfall.
Die Umklammerung meiner Arme wurde stärker. Ich sah auf den Boden und sah den Fuß meines Peinigers. Ich konzentrierte mich, dann trat ich mit aller Kraft zu. Aufheulend durch den Schmerz ließ er für einen Moment los. Ich bekam irgendwie einen Arm frei und dann weiß ich nicht mehr, wie ich insgesamt los kam; ich stürzte mich auf den Typen der an meiner Maschine herum hantierte. Der rannte davon. Jetzt kamen sie zu Dritt.
Nadolny war jetzt dabei; ich bekam Schläge in die Magengrube und auf die Rippen. Sie hielte mich wieder fest und zerrten mich in den anderen Raum.
Nadolny kam mit einem Mikrofonkabel gelaufen und sagte: "Fesseln".
Dann trat er ganz nahe an mich heran und sagte: "Jetzt zeige ich dir mal wo es lang geht".
Das hätte er nicht tun sollen, denn mein Kopf traf seine Nase und das Blut spritzte nur so. Jaulend rannte er davon. Nun versuchte es der andere Typ mich an den Beinen zu fesseln. Ich ließ mich in die Ecke treiben weil ich wusste, da stehen die Bretter und Latten. Einer hielt mich von hinten am Hals fest und der andere versuchte mich an den Beinen zu fesseln. Ihn traf die Latte am Schlüsselbein, er war sofort kampfunfähig. Mit dem Anderen (übrigens auch dem Schreiber hier bekannt) balgte ich mich bis zur Treppe und riss ihn dann nieder. Er knallte mit dem Arsch auf die Kante der Steintreppe und blieb sitzen und rührte sich nicht mehr.
Ich war wieder frei. Was sollte ich jetzt tun? "Ich muss hier raus, Hilfe holen".
Leise ging ich die ersten Stufen der Treppe runter und hielt Ausschau - doch unten im Eingang stand noch jemand den ich bisher noch nicht gesehen hatte. Bei näherem Hinschauen erkannte ich ihn - es war Peter Panka.
Ich fuhr zurück. Sollte ich mich mit ihm auch noch zerfleischen? NEIN! Ich musste oben raus. Aber da sind noch die anderen. Sicherheitshalber griff ich wieder zu einer Latte. Ich musste es schaffen bis zur Tür zu kommen und dann runter springen.
Ich hörte Schritte, dann trat jemand in den Türrahmen.
Die Latte zerbrach auf seinem Schädel - es war Nadolny. Er fiel sofort um.
Jetzt schnell zur Tür und runterspringen. Ich sah runter. "Willst du da wirklich runter springen? 4 Meter tief? Ich kann mich ja erst mal runterhängen lassen und dann loslassen. Dann ist der Fall nicht so hoch".
Ich hörte Stimmen aus dem Raum und Schritte. Jetzt musste ich weg. Ich setzte mich, wollte mich drehen, mich festhalten, um mich runterzuhängen, doch meine Rippen schmerzten von den Schlägen und der Schmerz nahm mir all meine Kraft.
Ich stürzte rücklings runter, fiel dann sehr lange und knallte dann auf das Kopfsteinpflaster auf. "Jetzt nix wie weg" dachte ich, aber mein Körper gehorchte mir nicht mehr. Aufstehen war nicht mehr. Beide Sprunggelenke waren arg verletzt (ich habe heute noch manchmal Schmerzen) aber ich musste weg. Wenn die mich noch mal in die Hände kriegen, nicht auszudenken.
Meine Knie funktionierten noch; also auf den Knien fortbewegen. Es ging. Auf Knien und Händen zur Hauswand, so das sie mich von oben nicht sehen konnten und dann an der Mauer entlang. Als ich mich außer Sichtweise befand, rappelte ich mich an der Mauer hoch und brachte mich zum Stehen. Stechender Schmerz durchzuckte meinen Körper.
Aber das ist jetzt nicht wichtig, ich muss Hilfe holen. Irgendwie schaffte ich es dann ins Büro von Herrn Malzfeld zu gelangen. Zum Glück war er da. "Hilfe, ich brauche Hilfe. Ich bin überfallen worden". Er griff sofort zum Telefon. Dann endloses Warten. Ich war blutverschmiert, alles tat mir weh. "Hoffentlich kommt die Polizei gleich bevor die mit den Sachen abhauen".
Dann sah ich den Transporter der Verbrecher auf die Brücke zufahren. "Da sind sie" rief ich enttäuscht. "Sie entkommen". Doch dann schossen 2 Polizeiautos heran und keilten sie ein.
Auf der Wache sahen wir uns alle wieder.
Doch jetzt die Überraschung.
"Da haben sie sich aber ein Ding geleistet, wenn Herr Malzfeld nicht angerufen hätte sondern sie, wären wir gar nicht erst gekommen".
Hey, sprach der mit mir? "Ich verstehe nicht". "So, dann will ich es ihnen erklären. Diese Herren hier waren schon einmal hier, heute, und haben uns diesen Pfändungsbeschluss vorgelegt. Er richtet sich gegen Herrn Panka, der all diese Gegenstände, die sich im Transporter befinden dem PA-Herren überschrieben hat. Warum wollen sie Herrn Panka nicht sein Eigentum übergeben? Das was sie sich hier geleistet haben wird schwere Folgen für sie haben. Sie sind angezeigt wegen Unterschlagung und schwerer Körperverletzung. Das hätte man doch anders regeln können, Herr Hess".
Jetzt verstand ich gar nichts mehr.

Teil XI

Ich durfte mir auf der Wache erstmal das Blut von den Händen und vom Gesicht waschen und dann versuchte ich den Polizisten zu erklären, was hier vor sich geht. Sie hörten mir geduldig zu. Sie hatten sicher schon von einigen Verbrechern irgendwelches Geblubber gehört und auch was ich ihnen da erzählte klang unglaublich. Ein Notar der falsche Listen anfertigt und beglaubigt. Da hätte er sich was besseres ausdenken sollen. Sonst könnte aber alles so gewesen sein. Es kamen Zweifel auf. "Wenn das so ist, wie er hier erzählt, dann ist hier eben ein Verbrechen geschehen".
Endlich, dachte ich, sie denken nach. "Die Maschine bleibt erst mal unter Verschluß" verkündete der Boss und griff zum Telefonhörer. Er sprach mit dem Gerichtsvollzieher der auf dem Papier stand. "Alles wird erstmal beschlagnahmt".
Ich war erleichtert.
Die Polizisten sind so nett und fahren mich zurück ins Studio. Ich kann kaum gehen. Als wir dort ankamen, steht dort meine Frau und meine kleine Tochter vor der weit aufgerissenen Tür meines ausgeraubten Studios. Sie hatten es zu Hause nicht mehr ausgehalten und wollten nach mir sehen. Sie halfen mir dann die Treppe hoch, über zerbrochene Latten, über das Kabel mit dem ich gefesselt werden sollte, gelangten wir zur Tür, aus der ich gesprungen war. "Hier muss aber ganz schön was abgegangen sein wenn du da runter gesprungen bist" sagte meine Frau. Wir gingen durch die Räume. Alles, was wichtig und teuer war, war weg. "Alles geraubt von den ehemaligen Freunden" hämmerte es in meinem Kopf. "Was ist nur geschehen, dass die mir so was antun? Aber sie werden nicht damit durch kommen. Die Gerechtigkeit wird siegen".
Ah, da sind ja noch alle Bänder. Die hatten sie nicht auf ihrer Liste stehen. Da sind noch echt unveröffentlichte Jane-Songs drauf. Aber ohne 24-spur Maschine werde ich sie wohl nie wieder hören können.
(Anm.: Walz, der lange Arm aus Pankas Grab, das Erbe, hat jetzt zugegriffen und wollte 3 der Songs an die Universal verscheuern, ohne mein Wissen wohlgemerkt. Wir haben es verhindert!! )
Das Studio war zerstört. Alles zerfetzt, zertreten und mit Blut verschmiert. "Komm nach Hause" hörte ich meine Frau sagen. "Ja nach Hause, schnell weg hier Papa" sagte auch meine Tochter.
Jetzt merkte ich, ich war traumatisiert. Ich fühlte mich nirgends mehr sicher, auch nicht mehr zu Hause. Die liefen ja immer noch frei rum. "Was ist, wenn die bei mir zu Hause auflaufen, die Tür eintreten?". Ich musste an die Geldeintreiber denken, Pankas Geschäftsbeziehung.
"Ihr müsst sofort zur Oma fahren und dort übernachten" sagte ich zu meiner Frau, "ich bleibe hier und halte die Stellung". "Du kannst ja noch nicht einmal stehen" antwortete sie, "ne ne, wir bleiben hier. Und du musst zum Arzt, du siehst ja schlimm aus".
"Nein, ohne Schutz gehe ich nicht aus dem Haus".
Hermann, mein Nachbar, Sportlehrer, Schuldirektor und Pfadfinder (jeden Tag eine gute Tat) - die forderte ich jetzt von ihm ein. "Hermann, hilf mir, ich brauche Schutz." Ich erklärte ihm alles. Er war sofort bereit zu helfen.
Es war schon spät als wir in der Unfallklinik ankamen. Dort mussten wir warten, weil noch andere vor uns verarztet werden mussten. Endlich kam der Arzt aus der Tür.
Riss sie auf und alle meine Albträume kamen zur Tür heraus. Meine Peiniger.
Der Eine mit nem Kopfverband, sein Kopf sah aus wie nen Ballon, der Andere mit nem Ballon am Arsch (dicker Verband), er wurde getragen, der Dritte mit einem Gipsarm - Schlüsselbeinbruch.
Sie beachteten mich gar nicht. Ich aber wäre am liebsten auf sie losgegangen. Stattdessen humpelte ich in das Arztzimmer. "Was ist geschehen?" fragte der Arzt. "Ich bin überfallen worden" erzählte ich. Er: "Komisch, die vor ihnen sind auch überfallen worden. Was ist denn heute bloß los?" Das fragte ich mich auch und ich wünschte mir, dass dieser Tag nur ein böser Albtraum war; war er aber nicht.
Er verfolgt mich noch bis zum heutigen Tag, denn ich verlor nicht nur mein Studio und auch viel Geld; auch alle meine ideellen Werte wurden mir seitdem abgesprochen.
Nadolny ist jetzt immer schon Hauptkomponist bei Jane gewesen, Nadolny und Maucher sind seitdem angeblich Gründungsmitglied der Gruppe Jane. "Hier ist Klaus von Jane" meldet sich jetzt einer der in Wirklichkeit Walz heisst und der meine Bilder unterschreibt. Selbst meine Biographie als Musiker muß ich verschweigen, sonst stehe ich als Lügner da. Der verlängerte Arm Pankas reicht sogar noch aus dem Grab heraus und grabscht nach meinen Bändern, die er damals vergessen hatte mit zu klauen.
"Legend will never die", das hört sich für mich wie eine Drohung an. Sie grabschen nicht nur nach dem von mir erfundenen Namen "Jane", sie spielen auch schon jahrelang meine Songs und missbrauchen sie somit als Waffe gegen mich.
Der Spruch von Eichendorff, den ich einst in die Jane III geschrieben hatte ist wahr geworden.
"Schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort."

Das hatte ich nun getroffen; besser gesagt, hatte es mich getroffen und es wird mir noch immer um die Ohren gehauen.
Wann hat das bloß ein Ende?

Teil XII

Seither verkauft Nadolny Prädikate. Er lässt seine Musiker ohne Geld, bzw. für sehr wenig Geld, spielen, dafür haben sie mal bei "Jane" gespielt. Er, der ohne Hauptkomponist doch nur jemand ist, der der Gruppe Jane genauso verfallen ist, wie Gollum dem Ring.
Wie so was endet wissen wir ja.
Immerhin, er verzaubert mit seinem Kleinzirkus immer noch einige Leute, ist zwar fast alles nur geklautes Zeug (er fing lange Zeit seine Konzerte mit dem Intro aus Between Heaven and Hell an; als wir das gemacht haben, war er schon 4 Jahre nicht mehr bei der Gruppe Jane, er hatte nichts damit zu tun.)
Er verfährt immer noch nach dem Motto "Lieber gut geklaut als selber schlecht komponiert".
Sei es drum. Seit dem Tag X verkauft er auch hin und wieder den Namen Jane. "Er ist ja eigentlich der Erfinder des Namens für eine Rockgruppe. Er hat Zeugen".
Gegen all diesen Scheiß soll ich nun Zeit meines Lebens angehen müssen?
Das bekommt mir nicht gut. Das ist ein Scheiß - Leben. Das will ich nicht! Er soll bloß weit weg von mir sein!!
Ebenso Walz. Nur mit dem Banner Jane ist er anscheinend's was wert. Grabscht so gierig nach allem was er kriegen kann, in alle meine Töpfe. Hallo!!! Jane?? Das ist mein Revier!!
Ohne mich hervorheben zu wollen schreibt hier der Erfinder der Jane-Musik, der Erfinder des Namens Jane für eine Rockgruppe, der Gründer der Gruppe Jane, der Komponist und Texter von dem Song Out In The Rain, der Macher von Fire,Water,Earth & Air, der Gitarrist von Jane - Klaus Hess!
Es hilft ja nichts. Der Tag X kann nie mehr ungeschehen gemacht werden.

Es war der Tag, an dem Jane starb.

Friede sei ihrer Seele.

Euer Klaus Hess

15.12.14

Ein Frauenleben - Nachtrag

Hildesheim
Großelterliches Haus
Langerhagen 27
(28,8x19,9 cm)

13.12.14

Ein Frauenleben 43

Für Anneliese Frau Engelhardt "Kronsberg", am 11.9.76
Für Frau Engelhardt "Kronsberg", am 11.9.76
Für Frau Engelhardt "Kronsberg", am 11.9.76

11.12.14

Ein Frauenleben 42

22.5.74
29.6.74
29.5.74
29.5.74
1.4.74

9.12.14

Ein Frauenleben 41

60. Geburtstagsfeier 10.5.75
Maria und Martha
Tante Mimi 88 J. alt
Matthias Jung, 2 1/4 J. alt 13.4.75 / 25.4.74